Thorsten Konigorski

RP-​Kritik

In der „Rhei­ni­schen Post“ schreibt heute Ott­mar Nagel über das Orgel­kon­zert mit Éti­enne Wal­hain vorgestern.

Und der Keve­lae­rer Orgel­bauer und Kon­zert­be­su­cher Marco Ell­mer meint auf Face­book: „Unfass­bare Dar­bie­tung heute von Éti­enne Wal­hain an der groß­ar­ti­gen Woehl-​Orgel in St. Remi­gius Vier­sen. Sel­ten erlebt man eine der­ar­tig innige Ver­bin­dung von Orgel und Inter­pret. Und wie­der mal hat sich bewie­sen wie uni­ver­sal ein­setz­bar die­ses ein­zig­ar­tige Instru­ment ist.“

Eti­enne Walhain

Am deut­lichs­ten beim heu­ti­gen Orgel­kon­zert mit Éti­enne Wal­hain wird mir neben sei­ner beste­chen­den Tech­nik vor allem die äußerst unkon­ven­tio­nel­len Regis­trie­run­gen erin­ner­lich blei­ben: bis­wei­len mini­ma­lis­tisch, immer nach­voll­zieh­bar und der Musik dien­lich; es waren wirk­lich auf die Woehl-​Orgel zuge­schnit­tene Lösun­gen. Großartig.

Herz­li­chen Dank an Assi­ten­tin Monika Stef­fen und Chris­toph Rei­ners, der äußerst umsich­tig die Kamera führte.

Beer­di­gung

Heute bewegte mich die Beer­di­gung eines Kon­go­le­sen, bei der - ange­facht durch eine Besu­che­rin - die ganze Ver­samm­lung unver­mit­telt tanzte, klatschte und sang. Ergrei­fend. Um kul­tu­relle Unter­schiede in der Trauer zu wis­sen ist eine Sache, sie zu erle­ben und zu spü­ren, kör­per­lich, eine ganz andere.

Vor­be­rei­tun­gen für das Orgelkonzert

Auf­bau und Pro­be­lauf für das Orgel­kon­zert mit Eti­enne Wal­hain am Sonn­tag in der Remi­gius­kir­che, zusam­men mit Ulla Empt und Chris­toph Rei­ners, der auch erfreu­li­cher­weise seine Kamera zur Ver­fü­gung stellt.

Ich bin heil­froh, daß die Pfarre Über­tra­gungs­tech­nik, Bea­mer und Lein­wand besitzt: Das tra­di­tio­nelle Set­ting von Orgel­kon­zer­ten, bei dem vorne – anders als bei Kammer-​oder Chor­kon­zer­ten – sicht­bar nichts pas­siert, kön­nen wir so überwinden.

Opel­zi­tat

Jah­res­zeit­lich bedingt erscheint mir heute das urban com­mu­ting mit dem Rad ris­kant; ich bin trotz erklär­ter Liebe zum Herbst­laub sozu­sa­gen mit ver­nei­nen­der Gebärde unter­wegs. Mir kommt das sonst ja zutref­fende Zitat „Bei kei­ner ande­ren Erfin­dung ist das Nütz­li­che mit dem Ange­neh­men so innig ver­bun­den, wie beim Fahr­rad” in den Sinn, das aus­ge­rech­net von Adam Opel stammt, und lache sar­do­nisch vor mich hin.

Noch­mal Niederkrüchten

Wegen mei­nes Orgel­kon­zerts mor­gen war ich heute noch­mal in Nie­der­krüch­ten, um alle Stü­cke opti­mal zu prä­pa­rie­ren. Ich bin sehr über­zeugt von die­sem Instru­ment, bis ins Detail. Fas­zi­nie­rend zum Bei­spiel finde ich die Unter­schiede zur nur unwe­sent­lich klei­ne­ren Orgel in St. Marien in Vier­sen: beide haben im Haupt­werk eine Holz­flöte 8, und den­noch klin­gen beide im Rah­men des Gesamt­kon­zepts der jewei­li­gen Orgel völ­lig unter­schied­lich - und trotz­dem überzeugend.

Auf dem Weg nach Nie­der­krüch­ten habe ich einen Abste­cher zur Orgel­bau­werk­statt von Mar­tin Scholz nach Mön­chen­glad­bach gemacht, um eine defekte Manu­brie rich­ten zu las­sen - schließ­lich soll Eti­enne Wal­hain für sein Réci­tal am kom­men­den Sonn­tag in St. Remi­gius eine per­fekte Orgel vor­fin­den. Wie jedes Mal nutzte ich die Gele­gen­heit, in der Werk­statt aktu­elle Pro­jekte zu besich­ti­gen, und es war schön zu erle­ben, wie offen man mit Mar­tin seine Orgel­kon­zepte - er baut der­zeit eine Orgel für St. Cle­mens in Bergisch-​Gladbach - dis­ku­tie­ren kann. Ich habe dort auch ein Har­mo­nium getes­tet, das ich für das Kon­zert mit Veit Scholz im Februar brau­chen werde.

RP-​Kritik

Die Rhei­ni­sche Post berich­tet heute über das Chor­kon­zert in der Gra­bes­kir­che am letz­ten Sonn­tag: die „Kost­pro­ben anspruchs­vol­ler geist­li­cher Musik“ haben offen­bar beim Rezen­sen­ten „einen tadel­lo­sen Ein­druck“ hin­ter­las­sen. Er lobt die „erfreu­li­che Sicher­heit“ des Cho­res und die „sorg­fäl­tige und umsich­tige Gesamtleitung.“

Banal­ro­man­ti­sche Stille

Nach der Kreuz­st­ab­kan­tate und Dvořáks fas­zi­nie­rend instru­men­tier­ter Messe in D-​Dur (op. 86) im Kon­zert, das ich ges­tern diri­gie­ren durfte, suche ich heute, allein, etwas banal­ro­man­ti­sche Stille, wie es der Kol­lege Mar­cel Feld­berg schreibt, oder, wie er dann fort­führt, auf dem freien Feld Reste vor­kom­po­nier­ter Musik, … Frag­mente von Chor­ka­den­zen, Schnip­seln ein­zel­ner Flos­keln, ein­ge­fügt in die Lücke, die der Wind hin­ter­las­sen hat: … (un)realistischer Sound, der vor­gibt, so etwas wie das Wesent­li­che zu sein.

Kon­zer­tauf­bau

Heute wird in der Gra­bes­kir­che alles für das Kon­zert am Sonn­tag auf­ge­baut - Bühne, Podeste, zusätz­li­che Lam­pen. Mor­gen ist Stell-​, am Sams­tag Generalprobe.

Jah­res­rück­blick

Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde. Tra­di­tio­nell wer­den in der Vier­sener Gra­bes­kir­che am Aller­see­len­tag die Namen aller seit dem letz­ten Jahr in der Pfar­rei Ver­stor­be­nen ver­le­sen. In die­sem Jahr waren es 409 Tote, die wir in St. Remi­gius beige­setzt haben; das ent­spricht also deut­lich mehr als eine Bestat­tung pro Tag im Durch­schnitt. An viele kann ich mich erin­nern, einige Ver­stor­bene habe ich per­sön­lich gekannt, andere nur nament­lich oder gar nicht. Für mich ein Jah­res­rück­blick ganz eige­ner Art.

All­tags­ge­schäft

Der­zeit stu­diere ich inten­siv die Par­ti­tu­ren für das Kon­zert am 5. Novem­ber. Ich mag kaum glau­ben, daß zur Bach­kan­tate „Ich will den Kreuz­stab gerne tra­gen“ BWV 56 Ich will den X-stabneben der Urauf­füh­rung am 27. Okto­ber 1726 keine wei­tere Auf­füh­rung Bachs nach­zu­wei­sen sind. Denn diese Kan­tate ist zu recht berühmt, sie hat eine den Pas­sio­nen durch­aus ver­gleich­li­che Dichte in der Wort-​Tonbeziehung. Der Roman „Schla­fes Bru­der“, der ja zum Ruhm der Kan­tate bei­trug, hat damit aller­dings nichts zu tun.

Gleich­zei­tig bemühe ich mich um eine zeit­ge­mäße Prä­sen­ta­tion des Orgel­kon­zerts mit Éti­enne Wal­hain in St. Remi­gius am 19. Novem­ber: der begrenzte Platz auf der Orgel­bühne erfor­dert einige Ver­ren­kun­gen bei der Instal­la­tion der bereits bewähr­ten Videoübertragung.

Schließ­lich freue ich mich, daß ich im nächs­ten Jahr zusam­men mit Veit Scholz musi­zie­ren werde: Fagott, Gesang und Harmonium.

Jah­res­aus­flug

Weinkeller

Ges­tern war Aus­flug des Remi­giuschors ins Ahr­tal. Mehr noch als die kul­tu­rel­len Erfah­run­gen - bei­spiels­weise das Werk des Bild­hau­ers Ernst Alt oder Akus­tik und Aus­ma­lung der Lau­ren­ti­us­kir­che - wird mir sinn­lich vor allem Herbst­li­ches erin­ner­lich blei­ben, das unsere Gesprä­che beglei­tete: die wär­mende Sonne in küh­ler Luft beim Gang durch den Wein­berg, die Far­ben­viel­falt wir­belnd ver­weh­ter Blät­ter, das Klima im dunk­len Wein­kel­ler, über­ra­schen­des Säu­re­spiel im Blanc-​de-​Noir, der Samt des Frühburgunders.

Pro­gramm­kon­fe­renz

Der letzte Ter­min in der Jah­res­reihe 2017 in St. Remi­gius wird das Orgel­kon­zert von Eti­enne Wal­hain am 19. Novem­ber sein.

Heute gab es aus­bli­ckend für den För­der­ver­ein für Kir­chen­mu­sik an St. Remi­gius e.V. die ent­schei­dende Pro­gramm­kon­fe­renz für 2018. Ich freue mich sehr, daß wir im nächs­ten Jahr neben vie­len ande­ren auch Serge Schoon­broodt - ich bin in mehr­fa­cher Hin­sicht Enkel­schü­ler sei­nes Vaters - mit sei­nem Pro­jekt „HipOr­gue“, das Hip­hop und Orgel kom­bi­nert, in Vier­sen tref­fen werden.

Lim­burg

Nach dem Kon­zert in der letz­ten Woche und der fröh­li­chen Geburts­tags­feier Par­rer Klug­manns mit Betei­li­gung mei­ner Chöre und einem sin­gen­den Pas­to­ral­team (!) am Wochen­ende hatte ich, nicht an Bei­fall den­kend, eine recht arbeit­same Woche.

Heute, am freien Tag, genieße ich als geschähe nichts ande­res den Herbst, der kühl aber bunt in unse­ren Gar­ten gekro­chen ist, bevor es mor­gen mit dem Frei­tag­schor zur Chor­fahrt nach Lim­burg geht. Reine Span­nung: Hof­fent­lich erwi­schen wir ein paar son­nige Tage!

Ich bin sehr berührt von einem abend­li­chen Tele­fo­nat mit Wolf­gang Erpen­beck (des­sen bloße Anwe­sen­heit in mei­nen Kon­zer­ten mir immer Respekt ein­flößte), weil ich in sei­nem Feed­back so tref­fend for­mu­liert finde, worum es mir im Eigent­li­chen geht. Es ist ermu­ti­gend, erkannt zu werden.

Denk­muff

Eben habe ich das lite­ra­ri­sche Web­log (ich gehöre der­je­ni­gen Inter­net­ge­ne­ra­tion an, für die Blogs säch­lich sind) von Meinolf Reul wie­der­ent­deckt, das er offen­sicht­lich aktu­ell wie­der belebt: „Denk­muff“, mit der Selbst­aus­kunft „Es ist eine Zeit­lang unum­gäng­lich, aber doch unzwei­fel­haft ein Feh­ler, schrei­ben zu wol­len wie X. […] Heute ver­su­che ich, von mei­nen Lek­tü­ren nicht mehr auf­zu­be­wah­ren als einen Maß­stab für Qua­li­tät. Vor allem bin ich zufrie­den damit, daß ich hier […] etwas machen kann, ohne es irgend­wem gegen­über dekla­rie­ren zu müs­sen. Frei­heit muss, sons gibt dat nix.“ (sic!)

Da finde ich mich doch in mei­nem kom­po­si­to­ri­schen Bemü­hen wieder.

Nicht nur aus mei­ner Gene­ra­tion, wohl jeder, der in Keve­laer auf­ge­wach­sen ist, hat irgend­wann mit einem Mit­glied der Fami­lie Reul zu tun; bei mir war es Meinolf, der irgend­wann in mei­ner Jahr­gangs­stufe lan­dete und mit dem ich Abitur gemacht habe. Er hat auch eine Zeit­lang das doch recht bekannte Buch­ge­schäft sei­ner Mut­ter fort­ge­führt (das Duft­ge­misch von Bücher­pa­pier und Bie­nen­wachs, in Gerü­chen nis­tende Gebor­gen­heit *), lebt jetzt aber in Berlin.

Nie­der­krüch­ten

Orgel in Niederkrüchten

Ich war heute Nach­mit­tag an der Scholz-​Orgel in St. Bar­tho­lo­mäus in Nie­der­krüch­ten. Am 12. Novem­ber werde ich dort ein Kon­zert spie­len. Ein fei­nes Kon­zept. Ich wün­sche mei­nem Kol­le­gen Vol­ker Mer­tens, daß die noch feh­len­den Regis­ter rasch ein­ge­baut wer­den, denn ihr Feh­len schmerzt: sie wür­den das Klang­bild noch orig­en­el­ler machen.

Mir gefällt der renais­sance­ar­tig fla­che Cor­pus der Orgel und die Art, wie sie in den Dop­pel­bo­gen ein­ge­passt ist. Die ele­gante Lösung läßt fast nicht mehr erken­nen, wie kom­pli­zert die Lösung mir vor dem Bau erschie­nen war.

RP-​Kritik

Die Rhei­ni­sche Post berich­tet heute in einer „Kurz­kri­tik“ über das Kon­zert vom Tag der Deut­schen Ein­heit mit dem Alten­bur­ger Trom­pe­te­n­en­sem­ble und mir an der Orgel.

Wenn inner­halb einer dear­ti­gen Rezen­sion eine Inter­pre­ta­tion mit „berüh­rend“ gewer­tet wird, freut mich das mehr, als ich öffent­lich zuge­ben würde.

Kon­zert­vor­be­rei­tun­gen

Seitenkapelle

Heute fin­det das vor­letzte Kon­zert der Jah­res­reihe 2017 in St. Remi­gius statt, mit Pau­ken und Trom­pe­ten und Orgel, genauer: mit dem Alten­bur­ger Trom­pe­te­n­en­sem­ble unter Lei­tung des wun­der­ba­ren Dirk Witt­feld. Weil wir dies­mal wegen ihrer Sym­pho­nik und Mehr­ma­nu­a­lig­keit die Haupt­or­gel brau­chen, wähl­ten wir ein unge­wohn­tes Set­ting: Thorsten BüschesDas Kon­zert fin­det in der Sei­ten­ka­pelle an der Pietà statt. Trotz der feh­len­den unmit­tel­ba­ren Nähe ist die nötige Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen den eben­er­dig musi­zie­ren­den Kol­le­gen und mir hin­rei­chend mög­lich - hier zahlt sich die rela­tiv geringe Höhe der Orgel­em­pore aus. Wir hat­ten inner­halb der Jah­res­kon­zerte ein ähn­li­ches Set­ting schon mal, und es hat sich als trag­fä­hig erwiesen.

Mein Dank gilt dem uner­müd­li­chen Thors­ten Büsch­kes, der auf die doch recht kurz­fris­tig beschlos­sene Ände­run­gen im Set­ting fle­xi­bel rea­gierte und auch im unge­wohn­ten Sei­ten­raum mit sei­nen Schein­wer­fen die nötige Atmo­sphäre schafft.

Thea­ter

Theater-​Aufführung der LFSM

Das Schul­le­ben am Gym­na­sium, das meine Töch­ter besu­chen, nötigt mir Respekt ab.

Chris­tian Heitkamp

Trau­rig und bestürzt höre ich, daß mit Chris­tian Heit­kamp aus Vis­bek am Sonn­tag ein wei­te­rer lie­bens­wer­ter Weg­ge­fährte und Kol­lege 50-​jährig ver­stor­ben ist. Ich war nie so naiv, rela­tive gesund­heit­li­che Robust­heit und die Sta­bi­li­tät von Lebens­um­stän­den ganz all­ge­mein anders als brü­chig zu erach­ten; den­noch häu­fen sich die­ses Jahr in mei­nem Umfeld Todes­fälle derer, die ich für zu jung zum Ster­ben halte in bedrü­cken­dem Ausmaß.

End­spurt Dvorak

So lang­sam beginnt der End­spurt für das Kon­zert am 5. Novem­ber - sowohl musi­ka­lisch als auch in der Pla­nungs­lo­gis­tik. Der Chor ist in den Pro­ben in freu­di­ger Anspan­nung, und diese Zei­ten unmit­tel­bar vor sol­chen Her­aus­for­de­run­gen sind in mei­nem Erle­ben immer beson­ders fruchtbar.

Äqui­nok­tium

Jedes Jahr freue ich mich auf die Zeit um die Tag-​und-​Nacht-​Gleiche, in der der Spät­som­mer in den Früh­herbst über­geht, in der der wilde Wein an unse­rem Haus sich erst gelb und dann feu­er­rot ver­färbt. Die Sonne hat ihre Aggres­si­vi­tät ver­lo­ren, wärmt aber noch genü­gend. Genau rich­tig, um mit einer Chambord-​Kanne im Gar­ten zu sit­zen oder spa­zie­ren zu gehen.

Lei­der ist für mich momen­tan der­art viel zu tun (die kom­men­den Kon­zerte im Okto­ber und Novem­ber erfor­dern es), daß sich meine Aus­flüge in die Natur ganz ohne Muße auf Heim­fahr­ten mit dem Fahr­rad beschrän­ken müs­sen. Den­noch - mit dem Rad hat man, so erlebe ich es seit mei­ner Kind­heit, am Nie­der­rhein die schönste Land­schafts­er­fah­rung, und ich hoffe, daß es wie im letz­ten Jahr noch lange warm und tro­cken genug bleibt.