Thorsten Konigorski

Augus­ti­nus­zi­tat

Von Thorsten Konigorski Bei der Unterrichtsvorbereitung stieß ich auf ein fast in Vergessenheit geratenes, Augustinus zugeschriebenes Zitat. (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/07-11-2019/)

Bei der Unter­richts­vor­be­rei­tung stieß ich auf ein fast in Ver­ges­sen­heit gera­te­nes Zitat, Augus­ti­nus zuge­schrie­ben: „Omne ver­bum sonat, cum enim est scripto, non ver­bum, sed ver­bis signum est“ (Jedes Wort klingt - wenn es denn auf­ge­schrie­ben ist, ist es kein Wort, son­dern ein Wort­zei­chen).

Eine tolle Aus­sage – als Musi­ker ist man geneigt, zuzu­stim­men. Und jeder, der Gre­go­ria­nik lehrt, wird sie mögen, illus­triert sie doch aufs Prä­gnan­teste, was die Gre­go­ria­nik im Inners­ten aus­macht: die Iden­ti­tät des Inhalts mit der erklin­gen­den Gestalt (— aller­dings geht es hier immer um Wort­zu­sam­men­hänge, weni­ger um ein ein­zel­nes erklin­gen­des Wort).

Doch ist dem wirk­lich so? Ist denn der (gespro­chene) Klang nicht ebenso „nur“ ein Wort­zei­chen, aber eben ein akus­ti­sches? Ich lese das Zitat noch ein­mal, denke an Giam­bat­tista Bodoni und Ambroise Fir­min Didot, an Paul Ren­ner, an Jan Tschi­chold und Her­mann Zapf und deren Mit­strei­ter im Bemü­hen um Schrift­bil­der, und mir blei­ben Zweifel.