Thorsten Konigorski

Begriff­lich­kei­ten

Von Thorsten Konigorski Beate Steger beschreibt in einem Beitrag unter dem Titel „Bachkantate, ‚Stille Nacht’ und Gospel-Song: Über das Singen“ ihre biografischen Erfahrungen mit Singen und insbesondere Chorsingen. (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/21-11-2019/)

Beate Ste­ger beschreibt in einem Bei­trag auf katho​lisch​.de unter dem Titel Bach­kan­tate, „Stille Nacht“ und Gospel-​Song: Über das Sin­gen ihre bio­gra­fi­schen Erfah­run­gen mit Sin­gen und ins­be­son­dere Chor­sin­gen. Nach anfäng­li­cher Skep­sis und desas­trö­sen frü­hen Erfah­run­gen ist sie dann doch zum Sin­gen gekom­men und for­dert am Ende die Leser/​innen mit einem flam­men­den Plä­do­yer auf, es ihr gleich­zu­tun. Das kenne ich auch: Nicht wenige derer, die in den letz­ten Jah­ren erst nach mehr­fa­cher Kon­takt­auf­nahme und Nach­frage in den Chor kamen, sag­ten mir spä­ter, daß sie die­sen Schritt nicht nur nicht bereu­ten, son­dern schon viel eher hät­ten tun sol­len. Nun ja.

Aber nicht nur im Satz: „In kirch­li­chen Chö­ren sind vor­wie­gend reli­giöse Lie­der im Reper­toire“, auch im all­täg­li­chen Gespräch über Musik (bei­spiels­weise mit Braut­leu­ten über Orgel­li­te­ra­tur) stol­pere ich über eine sprach­li­che Ver­en­gung: gibt es denn nur „Lie­der“? In den letz­ten zwan­zig Jah­ren habe ich viel­leicht auch das eine oder andere Chor­lied ein­stu­diert, der weit­aus grö­ßere Teil des Reper­toires aber waren andere Gesänge, Madri­gale, Motet­ten, Fugen, Mess-​Vertonungen, die eben keine Lie­der waren. Im eigent­li­chen Sinn wird der zitierte Satz weit­ge­hend sogar sach­lich falsch sein - und das ist doch keine musi­ka­li­sche Spitzfindigkeit.

Offen­sicht­lich nimmt die musi­ka­li­sche All­ge­mein­bil­dung in einem Maße ab, daß sogar musi­ka­li­sche Insi­der (wie es Chorsänger/​innen bei­spiels­weise ja sind) nicht mehr mit kor­rek­ten Begrif­fen über Musik spre­chen kön­nen oder es aus didak­ti­schen Grün­den nicht tun wollen.