Thorsten Konigorski

Impres­sion aus der Josephsorgel

Kapitellfigur St. Joseph

Dra­che im südl. West­werk der Gra­bes­kir­che

Die bei der Restau­rie­rung der Vier­sener Josephs­kir­che 2012 ver­schmutzte Klais-​Orgel von 1934 wird der­zeit gerei­nigt. Alle Pfei­fen sind aus­ge­baut. Das reizte mich, in gro­ßer Höhe einige Pho­tos im Inne­ren der Orgel zu machen. Neben für das elek­trop­neu­ma­tisch betrie­bene Instru­ment typi­schen Ele­mente - wie z.B. Kon­duk­ten, die der­zeit ziel­los offen­ste­hen, oder eine zwar alt, aber den­noch gut sor­tiert anmu­tende Elek­trik - fiel mein Blick auf oben­ste­hende so pos­sier­lich geschmückte Dienst­kon­sole, die nur jetzt frei­liegt. Nach der Fer­tig­stel­lung wird sie wie­der ver­stellt sein: die 32′-Pfeifen des Frei­pfei­fen­pro­spek­tes lau­fen ver­de­ckend vor den die Orgel umschlie­ßen­den (neo)gotischen Bogen.

RP-​Kritik Palmsonntag

Heide Oeh­men hat mein Kon­zert vom letz­ten Sonn­tag rezen­siert; heute erschien ihre Kri­tik in der Prin­t­aus­gabe der Rhei­ni­schen Post. Ich habe sie hier auch ver­öf­fent­licht.

Daß das 1985 und 1994 ent­stan­dene Cluster-​Stück „Stand­li­nien für Orgel“ von Michael Reu­den­bach die Hörer befrem­det, über­rascht mich nicht. Allen „etwas rat­los“ geblie­be­nen Hörern eine Ergän­zung: Nach einer Angabe des Kom­po­nis­ten soll bei die­sem Stück erst nach und nach „eine Art Orts­be­stim­mung“ statt­fin­den. Eine Stand­li­nie ist ein Begriff aus der Navi­ga­tion, sie ist die Grund­lage für die Orts­be­stim­mung. Der Stand­ort wird als Schnitt­punkt zweier oder meh­re­rer Stand­li­nien gefunden.

Nichts ande­res pas­siert auch in den ande­ren gewähl­ten Stü­cken des Kon­zerts, die - als Par­ti­ten und Pas­sa­ca­glia - varia­ti­ons­ar­tig ein Thema /​einen Cho­ral /​eine Tex­tur beleuch­ten. Die unklare, sich (im bes­ten Fall) erst noch ein­stel­lende Posi­ti­ons­be­stim­mung macht im übri­gen auch den Palm­sonn­tag mit sei­nen Tex­ten zwi­schen „Hosi­anna“ und „Kreu­zige ihn“ aus. Daher habe ich diese Stü­cke für das Kon­zert am Palm­sonn­tag gewählt.

Zehn Fra­gen

Kurz vor Weih­nach­ten hat mir Webent­wick­ler Mar­kus ein Stöck­chen zuge­wor­fen. Fast hätte ich es über­se­hen, gerade in der Advents­zeit komme ich dem Netz schon mal berufs­be­dingt abhanden.

  1. Was genau willst Du in den nächs­ten zehn Jah­ren erreicht haben?

    Das mit den gesteck­ten Zie­len ist so eine Sache. Nach­dem meine künst­le­ri­schen Per­spek­ti­ven nach der Auf­füh­rung von Bachs Mat­thä­us­pas­sion 2011 radi­kal durch­bro­chen wur­den, begann eine schwie­rige Zeit für mich. Zumal, um mit Johann Sebas­tian Bachs Wor­ten zu spre­chen, „da die neue Fürs­tin schiene eine amusa zu seyn“. Aber das ist nun vor­bei. Ich werde in die­sem Jahr eine kleine Tour­nee mit Bachs „h-​Moll-​Messe“ machen und das „Requiem“ von Gabriel Fauré ver­wirk­li­chen. 2015 dann die „Schöp­fung“ von Joseph Haydn. Es ist also vor­erst genug zu tun.

  2. Was machst Du am liebs­ten mit Dei­ner freien Zeit?

    Hier liegt eine ein­deu­tig unter­be­schäf­tigte Canon 50D, die in mei­ner Frei­zeit zum Ein­satz kommt. Außer­dem habe ich im letz­ten Jahr suk­zes­sive vor jedem Bild im Wallraf-​Richartz-​Museum und - in geschicht­li­cher Fort­set­zung - der Samm­lung im Museum Lud­wig in Köln gestan­den. Und neu­lich habe ich mir diverse CMS auf den Webs­pace gela­den, nur um sie zu erfor­schen. Schluss­end­lich: Mit der Musik wird man nicht fer­tig, auch nicht nach Fei­er­abend (Cas­per: Alles endet, aber nie die Musik).

  3. Was liebst Du an Dei­ner Heimatstadt?

    Das ist in Vier­sen ambi­va­lent. Es gibt aber wun­der­bare Men­schen dort. Und jedes Jahr die Billard-​WM, ein Jazz­fes­ti­val auf hohem Niveau und eine Skulp­tu­ren­samm­lung mit zeit­ge­nös­si­schen Wer­ken, die sehr sehens­wert ist.

  4. Wohin würde es Dich trei­ben, wenn Du weg­zie­hen müsstest?

    In den Süden. Ich könnte zehn Jahre in Flo­renz leben und solange die Uffi­zien auf­su­chen, bis mich die flo­ren­ti­ni­sche Krank­heit hinwegrafft.

  5. Hast Du ein Lieb­lings­re­stau­rant? Wenn ja, welches?

    Ich habe kein Lieb­lings­re­stau­rant, wenn­gleich ich gerne gut esse. Nicht als Restau­rant, son­dern als eine Art Basis­sta­tion wäh­rend mei­ner dis­pa­ra­ten Arbeits­zei­ten schätze ich das Mokka.

  6. Wel­che Technik-​Gadgets trägst Du stän­dig mit Dir rum oder nutzt Du häu­fig und gern?

    Als ich mir ein iPad besorgte dachte ich, es sei ein rei­ner Lust­kauf. Seit ich nun meh­rere Akten­ta­schen voll Noten­ma­te­rial dar­auf digi­ta­li­siert vor­lie­gen habe, mag ich es nicht mehr missen.

  7. Wie und wo hast Du mit die­sem omi­nö­sen Inter­net angefangen?

    Ich suchte zunächst eine gemein­same Blogging-​Plattform mit mei­nem Bru­der - und die betrei­ben wir seit 2001. Der erste Blog­post unter die­ser Domain hier datiert vom 6. Dezem­ber 2006. Aller­dings war das eher eine Link­schleu­der als ein Blog. Ich betrachte die ganze Blog­ge­rei mit viel Skep­sis und bleibe ein hart­nä­cki­ger Face­book­ver­wei­ge­rer. Nach­dem ich vie­les aus­pro­biert habe, kommt hier heute das CMS pro­cess­wire zum Einsatz.

  8. Schlägt Dein Herz für Sport? Wenn ja, für wel­che Art?

    Nicht wirk­lich. Da Sport zwar nicht Mord ist, ich aber beruf­lich exis­ten­zi­ell nicht nur auf meine Hände und Fin­ger, son­dern auch auf Füsse und Stimme (und den Kopf! Den Kopf!) ange­wie­sen bin, übe ich kei­nen Sport mit grö­ße­rem Ver­let­zungs­ri­siko aus. Um fit zu blei­ben mache ich aller­dings Aus­dau­er­sport. Mini­mum 30min. Jeden Tag.

  9. Was muss man sich, Dei­ner Mei­nung nach, unbe­dingt für Filme anschauen?

    Da muss ich wirk­lich pas­sen, sorry.

  10. Du fin­dest 10 Mio. Euro. Was machst Du damit?

    Da würde wohl jeder sei­nen Lebens­stan­dart heben. Aber die Arbeits­stelle kün­di­gen? Das würde mir schwer fal­len, wenn­gleich sie mich ganz schön bin­det. Wahr­schein­lich würde ich etwas gemeinnützig-​kulturelles aufbauen.

Das Stöck­chen kann sich natür­lich neh­men, wer mag. Aber ich werfe es in Rich­tung Ralph und Mat­thias.

Ihr schafft den Rest allein

Ich hege wie Alli­ga­toah (aber aus ande­ren Grün­den?) eine latente Abnei­gung gegen die meis­ten der heute auf Trau­er­fei­ern repro­du­zier­ten Lieder, …

- der Niveau­lo­sig­kei­ten in die­ser Hin­sicht sind nach unten hin schlicht keine Gren­zen, oder, wie Thors­ten Schorn es in einer Anmo­de­ra­tion zu Pro­to­koll gab: „Wenn auf mei­ner Trau­er­feier Time to say Good Bye erklingt, springe ich aus dem Sarg und sage: Ist ja schon gut, ich mach’s noch eine Weile, aber stoppt end­lich diese furcht­bare Musik!” -

… allein: sein eige­nes Mach­werk ändert daran nichts. Es wird nicht lange dau­ern, bis es mir auf dem hie­si­gen Fried­hof in Form eines Ange­hö­ri­gen­wun­sches wie­der­be­geg­net. Ich nehme noch Wet­ten an.

Ein Zitat

Er hat mir und ande­ren vor allem ver­mit­telt (was mir oft … bei der „prä­kon­zer­tan­ten Depres­sion” … sehr nütz­lich sein sollte): Musik ist etwas Wun­der­ba­res; und dass sie es ist, liegt zu einem gro­ßen Teil an Dir selbst. Und: gib nie auf - nie bei Dir selbst und nie bei ande­ren; sei hart aber gedul­dig - oder, wenn es mal ganz schlimm kommt, gedul­dig, aber hart; ver­liere nie den Glau­ben an Dich und an die Men­schen, die mit Dir Musik machen.

— Hans Win­king (WDR) über Wolf­gang Erpenbeck