Thorsten Konigorski

Oster­lau­des

Wenn am Ende der Oster­nachts­feier in St. Remi­gius die latei­ni­schen Oster­lau­des gesun­gen wer­den und der Orga­nist genau in dem Moment, in dem die Cho­ral­schola die Benedictus-​Verse Sicut locu­tus est per os sanc­torum, qui a sae­culo sunt, pro­phe­tarum eius into­niert, in die Beglei­tung wie zufäl­lig als neue Klang­farbe aus­ge­rech­net die Voix humaine mischt, ist das für mich, sin­gend, ein über­zeit­li­cher Moment.

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RP-​Bericht

Der heute in der Rhei­ni­schen Post erschie­nene Bericht zur Pas­si­ons­mu­sik am ver­gan­ge­nen Sonn­tag irri­tiert mich, weil er objek­tiv Feh­ler ent­hält: Selbst­ver­ständ­lich habe ich die Eröff­nungs­so­nata des Kan­ta­ten­zy­klus diri­giert, und diese war auch kor­rekt mit zwei Barock­vio­li­nen und Con­ti­nuo instru­men­tiert. Offen­sicht­lich ist dem Autor voll­kom­men ent­gan­gen, daß dem baro­cken Werk eine „Lach­rima“ des Renais­sance­kom­po­nis­ten John Dow­land vor­ge­schal­tet war, wie es auch im Pro­gramm­heft aus­ge­wie­sen war.

Passionsmusik Membra Jesu Nostri in St. Remigius

Lie­bes­ly­rik

Tobias Köl­ling erin­nerte recht­zei­tig vor der Auf­füh­rung des Kan­ta­ten­zy­klus „Mem­bra Jesu Nos­tri“ am gest­ri­gen Sonn­tag an einen wich­ti­gen Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des Werks. Bux­te­hude besingt die Kör­per­teile des Gekreu­zig­ten nach dem a capite ad cal­cem (svw.: „vom Schei­tel bis zur Sohle“) genann­ten, der mit­tel­al­ter­li­chen Vagan­ten­ly­rik und anti­ken Poe­sie ver­pflich­te­ten Prin­zip (aller­dings in Umkeh­rung der ver­ti­ka­len Raum­se­man­tik). Tobias schreibt:

An Palm­sonn­tag hat Thors­ten ein Kon­zert mit beson­de­rem Kon­zept auf dem Pro­gramm: sie­ben Kan­ta­ten beschrei­ben nach­ein­an­der Kör­per­par­tien des gekreu­zig­ten Jesus. Es beginnt mit den Füßen und endet beim Gesicht. Da steckt natür­lich viel Theo­lo­gie drin (man arbei­tet sich ja nicht nur auf­wärts son­dern auch nach innen, vom kör­per­li­chen letzt­lich ins seelische).

Vor allem aber ist es eine ver­blüf­fende Par­al­lele zu etwas ande­rem: Min­ne­sän­ger besa­ßen als Grund­ge­rüst für ihre Lie­der über eine uner­reich­bare Ange­be­tete genau das­selbe Kon­zept. Sie fin­gen bei den Füßen an und beschrie­ben in einem Lied den gesam­ten Kör­per der Ver­ehr­ten streng auf­wärts­stre­bend. Somit ist das Kon­zert am die­sem Sonn­tag auf gewisse Weise auch das: eine Liebeserklärung.

Arcen

Petrarca

Emotional sehr kräftezehrende Tage: Intendami chi pò, ch'i' m'intend‘io. (Petrarca)

Vor­be­richt

Ich freue mich sehr über die­sen Vor­be­richt der RP zu „Mem­bra Jesu Nos­tri“ — aller­dings frage ich mich, warum die Namen der Aus­füh­ren­den nicht genannt werden:

Syl­via Boda­mer, Sopran, Chris­tine Léa Meier, Sopran, Esther Bor­ghorst, Alt, Nedialko Peev, Tenor, Vol­ker Mer­tens, Bass.

Kur­rende Vier­sen. Con­sor­tium musi­cum mit his­to­ri­schen Instru­men­ten. Thors­ten Koni­gor­ski, Leitung.

Vor­be­richt

Ich war heute mit Lite­ra­tur­stu­den­tin Rebecca Dor­mels bei dem Gam­bis­ten Lutz Hei­wolt, der ja in St. Remi­gius bereits häu­fi­ger zu hören war. Die „Rhei­ni­sche Post“ wird einen Vor­be­richt zur Auf­füh­rung von Mem­bra Jesu Nos­tri am Palm­sonn­tag erstel­len und möchte die ver­wen­de­ten his­to­ri­schen Instru­mente portraitieren.

Kai­ser Wilhelm

Ges­tern stach mir die­ses Bild Willi Kai­sers ins Auge. Er ist einer mei­ner Vor­gän­ger im Rint­gen (je mehr Pfar­reien fusio­niert wer­den, und je grö­ßer das Gebiet mei­ner Tätig­keit mit­hin wird, desto zahl­rei­cher sind auch meine Vorgänger).

Ich erin­nere mich gut: es war die Zeit kurz nach­dem das Kan­to­rat der Josephs­kir­che auf mich fiel, als eine Frau anrief und erläu­terte, sie sei „die Toch­ter von Kai­ser Wil­helm“. Ich musste – ver­wirrt durch die hier­zu­lande heute nicht mehr übli­che Namens­in­ver­sion – schwer an mich hal­ten, nicht unan­ge­mes­sen frech zu ent­geg­nen, daß mein Vater der Kai­ser von China sei.

Ihre Sorge galt der vier­ma­nu­a­li­gen Klais-​Orgel der heu­ti­gen Gra­bes­kir­che, die im Jahre 1935, also in der Amts­zeit ihres Vaters, erbaut wor­den war, und deren Erhalt sie nun irr­tüm­li­cher­weise gefähr­det wähnte. Dabei haben wir sie wenig spä­ter kom­plett restau­rie­ren las­sen, so daß sie zu mei­ner gro­ßen Freude bis heute treu und sub­stan­zi­ell voll­kom­men unan­ge­tas­tet ihren Dienst tut.

Es gibt ver­hält­nis­mä­ßig wenige Klais-​Instrumente aus die­ser Zeit – am Schei­tel­punkt zwi­schen roman­ti­schem und orgel­be­weg­tem, „neo­ba­ro­ckem“ Orgel­bau. Nicht, daß ich ein gro­ßer Freund von Klais-​Orgeln im all­ge­mei­nen oder der Ästhe­tik der Orgel­be­we­gung wäre - es ist der unver­fälschte doku­men­ta­ri­sche Wert, den die­ses Instru­ment aus­zeich­net. Es ist darum unbe­dingt erhal­tens­wert. Von den auf der Opus­liste von Klais auf­ge­führ­ten Klais-​Orgeln in (Alt-)Viersen ist heute nur noch die­je­nige in St. Joseph erhalten.

Zitat

Aus aktu­el­lem Anlass wandte sich Serge Schoon­broodt ges­tern lei­den­schaft­lich gegen digi­tale Kir­chen­or­geln („…vous savez, ce bidule que des abru­tis ont installé à St. Pierre de Rome“) und die­je­ni­gen Kol­le­gen, die sich ihrer öffent­lich bedie­nen. Ich schließe mich dem Fol­gen­den an:

Quand on enre­gistre et publie des vidéos du grand réper­toire sur ces engins ou quand on fait des réci­tals sur ces hor­ri­bles bidu­les, je dis que c’est une erreur monu­men­tale. […] Je refuse de poser un seul doigt sur ces «Alien’s de l’orgue». Il faut aussi être ferme et avoir une posi­tion claire à ce sujet. Con­ti­nuons à défendre le patri­moine extra­or­di­n­aire des orgues à tuyaux, le tra­vail génial de nos facteurs d’orgue, et saluons tous ceux qui s’engagent à faire vivre le «Roi des Instruments»!

(Quelle)

Billard-​WM

Ab heute ist wie­der Dreiband-​Billard-​Weltmeisterschaft für Natio­nal­mann­schaf­ten in Vier­sen. Ich ver­folge die WM schon seit Jahr­zehn­ten, weit bevor ich wußte, ein­mal in Vier­sen zu arbei­ten. Offen­sicht­lich hatte der wei­tere Ver­bleib die­ser WM in Vier­sen auf der Kippe gestan­den, was ich sehr bedau­ert hätte. Mal sehen, inwie­weit ich trotz Dienst hin­ge­hen kann - eine Dau­er­karte habe ich jedenfalls.

Beim Blick auf die Web­seite habe ich zunächst „Livestream“ geklickt und einen Moment lang gedacht, das Design der Web­seite sei moder­ni­siert wor­den, aber nein: die frü­hen Jahre des Inter­net grü­ßen mit ihrem ganz eige­nen über­kom­me­nen Charme.

Kon­zert

Es gab heute in St. Remi­gius ein Kon­zert mit der Mez­zo­so­pra­nis­tin Angela Froemer und dem Fagot­tis­ten Veit Scholz in der unge­wöhn­li­chen Kom­bi­na­tion mit Har­mo­nium. Ein sehr ange­neh­mer Kontakt.

Mich fas­zi­nierte der glei­cher­ma­ßen krea­tive wie ver­ant­wor­tungs­volle Umgang mit Par­ti­tu­ren. Und ich habe mich gefreut, nach lan­ger Zeit Vik­tor Scholz wiederzusehen.

Dr. Kai Koch bei seinem Referat

Werk­tag 2018

Heute fand der Werk­tag für Kir­chen­mu­sik 2018 in Aachen statt.

Einige Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen beklag­ten die zuneh­mende Auf­lö­sung von Ver­netzt­heit unter­ein­an­der. Das ist sicher zutref­fend, aller­dings beschränkte sich - min­des­tens in der Region - unsere Ver­netzt­heit ohne­hin auf nur wenige in die­ser Hin­sicht aktive Kollegen.

Nach­mit­tags erle­digte ich die letz­ten Vor­be­rei­tun­gen für das Kon­zert morgen.

Renais­sance­mu­sik

Als Kon­tra­punkt zum mich umge­ben­den sinn­freien Kar­ne­vals­tral­lala höre ich Renais­sance­mu­sik: Jos­quin, Tal­lis, Isaac, Senfl, Musik der „prima pra­tica“. Aus heu­ti­ger Sicht gera­dezu mini­ma­lis­tisch redu­ziert, und über­all Zusam­men­hang und Bedingt­heit der Stim­men untereinander.

Alter!

Ges­tern erreichte mich die E-​Mail eines befreun­de­ten Kol­le­gen Latein­leh­rers mit einer kri­ti­schen Anfrage in bezug auf den Titel die­ses Kon­zerts: „Ad alta voce“. Da ist wohl in der latei­ni­schen Gram­ma­tik etwas durch­ein­an­der gera­ten!?

Er hätte ja recht, wenn es latein wäre. Dann müsste nach dem „ad“ natür­lich der Akku­sa­tiv kom­men. Es ist aber italienisch.

Alto“ heißt in die­sem Kon­text nicht nur „laut“, son­dern sowohl „hoch“ als auch „tief“ - daher schien uns der Begriff pas­send für ein Kon­zert mit Sopran und Fagott.

Tages­no­ti­zen

Die Remi­gius­kir­che wird zur Reno­vie­rung – anders als bis­her geplant – doch in die­sem Jahr schon geschlos­sen wer­den. Daher ist die geplante Kon­zert­reihe im Wesent­li­chen obso­let: allein die Kon­zerte am 18. Februar (s.u.) und Palm­sonn­tag wer­den wie geplant statt­fin­den kön­nen. Ich bin der­zeit dabei, für die ande­ren Kon­zerte neue Ter­mine zu fin­den und werde diese recht­zei­tig mitteilen.

Ges­tern hat der Orgel­bauer Mar­tin Scholz ein Har­mo­nium in die Kir­che geschafft, auf dem ich am Sonn­tag nächste Woche zusam­men mit Angela Froemer, Sopran, und Veit Scholz, Fagott, kon­zer­tie­ren werde. Nun … beim Üben auf dem Instru­ment erschließt sich mir glei­cher­ma­ßen die Fas­zi­na­tion, die die­ses Instru­ment zur Entstehungs-​und Blü­te­zeit auf die Zeit­ge­nos­sen aus­übte, als auch die Gründe für den Unter­gang. Eine inter­es­sante Klang­lich­keit, auch und gerade in der Kom­bi­na­tion mit Fagott und Gesang bie­tet es in jedem Fall.

Die Ankün­di­gung des Kon­zerts (Pla­kat) wurde von dem Mag­de­bur­ger Dom­or­ga­nis­ten Barry Jor­dan tro­cken und nicht weni­ger augen­zwin­kernd mit „Ich liebe Pur­cells Musik für Har­mo­nium sehr“ kom­men­tiert, natür­lich wis­send, daß es diese gar nicht gibt. Er konnte nicht ahnen, daß ich bei die­sem Kon­zert alle der alten Musik zuzu­rech­nen­den Stü­cke selbst­ver­ständ­lich mit der Klop-​Truhenorgel und nicht mit dem Har­mo­nium beglei­ten werde. Den­noch wird es – ganz ohne Werk­treue­mas­sa­ker – natür­lich Stü­cke im Kon­zert geben, die ursprüng­lich nicht für Har­mo­nium gedacht waren. Ich halte auch einen krea­ti­ven Umgang damit für mög­lich und sogar his­to­risch legitimiert.

Zitat

Rele­vanz von Musik ex nega­tivo: Wohl jeder, der sich mit der Frage einer Ästhe­tik nach Ausch­witz beschäf­tigt hat, wird bei der heu­ti­gen Bun­des­tags­rede der Auschwitz-​Überlebenden Anita Lasker-​Wallfisch auf­ge­horcht haben: „Für viele war Musik in die­ser Hölle eine abso­lute Beleidigung.“

Zug­fah­ren

Ges­tern war ich in Köln, und gegen meine Gewohn­heit bin ich mit dem Zug gefah­ren: mir gefällt es bis­wei­len, nicht auf den Ver­kehr ach­ten zu müs­sen. Zug­fah­rend ver­su­che ich meist, zu lesen. Oft genug aber werde ich statt­des­sen zum Beobachter.

In dem Vie­rer­ab­teil rechts tuscheln zwei Frauen mit grell rot geschmink­ten Lip­pen unge­niert halb­laut über die bei­den Jugend­li­chen vor Ihnen, die offen­sicht­lich Schwes­tern sind. Der älte­ren Schwes­ter ist dies sicht­lich unan­ge­nehm, sie wird sicht­bar ver­le­gen, ohne etwas gegen die unan­ge­nehme Situa­tion unter­neh­men zu kön­nen. Vor mir betreibt eine Kar­ne­vals­gruppe auf der Heim­fahrt bemer­kens­wert leise Kon­ver­sa­tion. Ihre knall­bun­ten Hip­pie­kos­tüme mit eben­sol­chen Stirn­bän­dern ste­hen in kras­sem Gegen­satz zu den geschmei­dig vor­ge­tra­ge­nen, durch­aus sehr kon­serv­sa­ti­ven Posi­tio­nen, die sie dis­ku­tie­ren. Hin­ter mir ver­sucht eine wohl­mei­nende ost­eu­ro­päi­sche Frau ver­geb­lich, sich durch vor­sich­ti­ges Nach­fra­gen und Hilfs­an­ge­bot um einen ihr gegen­über sit­zen­den und vor sich hin­schluch­zen­den weib­li­chen Teen­ager zu küm­mern. Aber die­ser schüt­telt nur stumm den Kopf, so daß es bis zu sei­nem Aus­stei­gen unklar bleibt, ob es sich um einen exis­ten­ti­el­len Lie­bes­kum­mer oder gar um etwas Erns­tes han­delt, das die Trä­nen verursacht.

Und den­noch, obgleich ich wis­send Teil des Gan­zen bin und sogar genau so emp­finde, ist es bedrü­ckend: das kalte Neben­ein­an­der aller, das Ver­mei­den von Kon­ver­sa­tion, Inan­spruch­nahme oder Verwickeltsein.

Porrentruy, Bibliothèque cantonale jurassienne, Ms. 18

Tages­no­ti­zen

Bei der Chor­probe ges­tern durfte ich gleich drei neue/​interessierte Mit­glie­der begrü­ßen. Fein!

Ich bin der­zeit dabei, das Mem­bra Jesu Nos­tri-Kon­zert am Palm­sonn­tag logis­tisch vor­zu­be­rei­ten. Das macht Spaß, weil sich eine hohe Qua­li­tät abzeichnet.

Der kom­mende Sonn­tag ist in der Lit­ur­gie der katho­li­schen Kir­che der „4. Sonn­tag im Jah­res­kreis“ mit dem Introi­tus Lae­te­tur cor. Man­ches gehört für mich unab­ding­bar zum Jah­res­ab­lauf wie Eis essen im Som­mer; die­ses Stück zu sin­gen emp­finde ich als ebenso essentiell.

JHV

Ges­tern war Jah­res­haupt­ver­samm­lung des För­der­ver­eins für Kir­chen­mu­sik an St. Remi­gius e.V. Ich bin froh, daß das neue Kon­zept der Kon­zerte in St. Remi­gius, das wir seit drei Jah­ren erfolg­reich betrei­ben, sich auch in den Besu­cher­zah­len und Konzert­einnahmen posi­tiv niederschlägt.

Über die Ufer getretene Maas

Nie­der­rhein

Nie­der­rhein im Januar: Breite Was­ser­stra­ßen. Über­spülte Ufer­wege, instal­lierte Spund­wände, ringsum schwe­res und feuch­tes Land.

Kon­zertan­fra­gen

Fort­lau­fend errei­chen mich Anfra­gen von Künst­lern mit der Bitte, in St. Remi­gius kon­zer­tie­ren zu kön­nen. Ihre Anzahl über­steigt bei wei­tem meine Mög­lich­kei­ten, Ein­la­dun­gen aus­zu­spre­chen. So kom­for­ta­bel das auch ist: ich bedaure, mög­li­cher­weise Kol­le­gen nicht hin­rei­chend wür­di­gen zu kön­nen oder auch eine Ant­wort zu ver­ges­sen. Die Kon­zert­reihe 2018 steht fest, und im Jahre 2019 wird es schwie­rig wer­den, in der Remi­gius­kir­che Kon­zerte zu orga­ni­sie­ren, da die Kir­che wegen einer Reno­vie­rung mona­te­lang geschlos­sen sein wird. Der För­der­ver­ein wird den Umgang damit noch diskutieren.

Kits­une

Seit ges­tern bin ich nach lan­ger Zeit wie­der dabei, zu kom­po­nie­ren. Dies­mal wer­den es kleine Kavier­stü­cke wer­den. Aus­lö­ser und Inspi­ra­tion ist der Mikroro­man „Kits­une“ von Sudabe Moha­fez - illus­triert mit sehens­wer­ten Gra­fi­ken von Rit­ti­ner & Gomez. Eine erste Skizze dazu ging mir recht schnell von der Hand - mal sehen, was draus wird. Die ästhe­ti­schen Pro­bleme, die es bedeu­tet, heute zu kom­po­nie­ren, erschei­nen mir (nach wie vor) erheblich.

Feu­er­zan­gen­bowle

Der letzte Weih­nachts­got­tes­dienst ist gesun­gen, und wie jedes Jahr gibt es im Hause W. ein aro­ma­ti­sches und sinn­li­ches Stell­dich­ein: Eine blut­rote, damp­fende Flüs­sig­keit. Män­ner hocken um sie herum. Der eine, der Älteste, hat in eiser­ner Zange einen dicken, kris­tall­wei­ßen Klum­pen und hält ihn über das Gefäß. Der zweite hat eine ver­staubte Fla­sche in der Hand und gießt eine helle Flüs­sig­keit über den Klum­pen. Der Dritte setzt ihn in Brand. Eine gespens­ti­sche blaue Flamme zün­gelt hoch. Der weiße Klum­pen knis­tert und fängt an zu schmel­zen; dicke, zähe Trop­fen lösen sich und fal­len zischend in die rote Flut. Und ein lei­ser, betäu­ben­der Dunst zieht durch den Raum, steigt ins Gehirn.

(Hein­rich Spoerl: „Die Feuerzangenbowle“)