Thorsten Konigorski

Indie­Web

Inspi­riert durch Jee­nas Seite habe ich mich die letz­ten Tage mal in Tech­no­lo­gien des Indie­Web ein­ge­le­sen. Eine beste­chende Idee: Your con­tent is yours. Publish (on your) own site, syn­di­cate else­where. Die Imple­men­tie­rung erscheint mir mach­bar, und es gibt aus­führ­li­che Hil­fen. Ich wünschte, es wäre ein mas­sen­taug­li­cher Ansatz, damit nicht wei­ter­hin User bei den gro­ßen Social-​Media-​Portalen Con­tent zur Ver­fü­gung stel­len und damit häu­fig unge­wollt und -bewußt zur Ware der­je­ni­gen wer­den, die sie als ihre Dienst­leis­ter wähnen.

Cage­zi­tat

„Was wir brau­chen ist Stille; aber was die Stille will, ist, daß ich wei­ter­rede.“ *

Heute auf der A45, irgendwo zwi­schen Nordrhein-​Westfalen und Hes­sen höre ich bei hoher Geschwin­dig­keit im Radio eine - nur an Hal­ber­statt gemes­sen rasche - Ver­sion von John Cages „ORGAN²/​ASLSP“ (gespielt von Domi­nik Susteck), eine Musik, die mich trotz oder wegen ihrer kogni­ti­ven Her­me­tik schon häu­fi­ger fas­zi­niert hat. Das minu­ten­lange Wum­mern einer tie­fen Sekunde in den 16-​füßigen Stim­men der Orgel mischt sich mit den Fahr­vi­bra­tio­nen mei­nes Peu­geots, und ich bin nicht mehr in der Lage, prä­zise zwi­schen Cage und Auto zu trennen.

Wenig spä­ter ent­steht, der Grenze des Sen­de­ge­biets zu irgend­ei­nem hes­si­schen Regio­nal­sen­der geschul­det, eine nur durch jeweils kur­zes Rau­schen unter­bro­chene Kol­lage, mäan­drie­rend zwi­schen Cage und Klang­fet­zen von Clau­dia Kor­ecks eng­lisch­spra­chi­ger Ver­sion von Hal­la­brook­lyn. Eine Kom­bi­na­tion, die mich unter nor­ma­len Umstän­den in den Wahn­sinn trei­ben würde.

Unge­ach­tet der Hitze ist es im Auto kühl; die Sonne nutzt ihre Chance, dem Tag trotz der Wol­ken­berge ein som­mer­li­ches Gepräge zu geben. Ich tau­che flowar­tig in die Musik ein, ein phan­tas­ti­scher Moment.

(John Cage)

Semin­ar­mo­dul

Heute den gan­zen Tag Semin­ar­mo­dul in Aachen mit lie­ben Kol­le­gen und dem Coach Thors­ten Helms. Ich begrüße sehr, daß das Bis­tum der­ar­tige Fort­bil­dun­gen für seine Mit­ar­bei­ter anbie­tet - lange genug war da in die­ser Hin­sicht tabula rasa.Thorsten Helms Und anders als zu Beginn der aktu­el­len Modul­kette merkt man, daß sich die Refe­ren­ten nun in die Arbeits­wirk­lich­keit von Kir­chen­mu­si­kern ein­den­ken. Wie jedes Mal aber gehörte der Aus­tausch mit den Kol­le­gen zu den wert­volls­ten Erfah­run­gen des Tages, und wie jedes Mal kam der Wunsch von Sei­ten der Kir­chen­mu­si­ker, ein der­ar­ti­ges Semi­nar fach­grup­pen­über­grei­fend zu gestal­ten. Ich bin über­zeugt, daß das frucht­bar für alle Sei­ten wäre - wenn es denn zustande käme.

Auf­füh­rungs­wunsch

Habe nach der Trau­er­feier für Hel­mut Kohl das Bedürf­nis ver­spürt, das Requiem Op. 9 von Mau­rice Duruflé, des­sen Introit mir bei der Bericht­er­stat­tung aus dem Spey­rer Dom ins Ohr strömte, auch mal in der Orches­ter­fas­sung in St. Remi­gius zu verwirklichen.

Fron­leich­nam 2017

Ich habe Spaß an die­sem Foto, das Susanne Oster am Fron­leich­nams­tag gemacht hat. Es ist offen­sicht­lich wäh­rend eines Ordi­na­ri­um­teils auf­ge­nom­men wor­den; die Chor­mit­glie­der sin­gen, und wenn man genau hin­sieht, kann man in der Spie­ge­lung der Tuba ana­morph andere Instru­men­ta­lis­ten, Kom­mu­ni­on­kin­der, Chor­mit­glie­der, Diri­gent und Gemeinde sehen.

Werk­statt­got­tes­dienst

Heute war ich bei einem beson­de­ren Got­tes­dienst in einer Gei­gen­bau­werk­statt in Vier­sen. Das gegen­über den nor­ma­len Got­tes­diens­ten so andere Flair des Ortes fand ich sehr inspi­rie­rend, über­haupt war die ganze Atmo­sphäre sehr locker und ent­spannt. Und ein gro­ßes Lob an den Kin­der­chor: das habt ihr gut gemacht.

Ter­min­kor­rek­tur

Erschre­ckend und schön zugleich zu sehen, wie eng die Zeit­kor­ri­dore mitt­ler­weile sind, wie voll und akti­vi­tä­ten­reich das Jahr ist: Ich hatte heute ein kur­zes Tref­fen mit Trom­pe­ter Dirk Witt­feld aus Moers, mit dem mich eine jah­re­lange gute Zusam­men­ar­beit ver­bin­det. Wir haben uns ent­schlos­sen, auf­grund diver­ser Ter­min­kol­li­sio­nen ein ursprüng­lich für den 8. Okto­ber geplan­tes Kon­zert auf den Tag der Deut­schen Ein­heit, 3. Okto­ber 2017 vor­zu­ver­le­gen.

Arbeits­hil­fen

In der Chor­probe kam die Frage nach Arbeits­hil­fen im Netz zu den Ves­pe­rae solen­nes de con­fes­sore auf.

Gene­rell emp­feh­len kann ich die App von Carus. ScreenshotEin­mal instal­liert kann man hier aus der App her­aus alle rele­van­ten Chor­werke als „In-​App-​Kauf” her­un­ter­la­den und mit Noten anhö­ren. Dabei kann man ein­stel­len, die eigene Stimm­lage mit dem Kla­vier mit­spie­len zu las­sen („Coach”). Es ist auch mög­lich, das Tempo zu redu­zie­ren, um den Noten­text detail­liert zu studieren.

Wer die Kos­ten dafür scheut (die Ves­pe­rae in der Carus-​App kos­ten € 6,99) kann sich viel­leicht mit die­ser Seite hel­fen: Wahl­weise mit Metro­nom und Orgel oder Orgel und den ande­ren Stim­men beglei­tet wird die aus­ge­wählte Stimm­lage her­vor­ge­ho­ben. Über die etwas creepy wir­ken­den künst­li­chen Stim­men muss man hin­weg­hö­ren. Ein ästhe­ti­scher Genuss ist es nicht, aber hilf­reich; ein Bei­spiel: Tenor­stimme aus Lau­date Pueri. Das Laden der Dateien braucht eine Zeit, die Seite funk­tio­niert tech­nisch aber einwandfrei.

Nihil sub sole novum

Ges­tern gab es ein regio­na­les Tref­fen der Kir­chen­mu­si­ke­rin­nen und Kir­chen­mu­si­ker mit dem ent­spre­chen­den Refe­ren­ten des Bis­tums Aachen, Michael Hoppe. Man ist sich einig, daß diese Nomen­kla­tur (aller­dings nicht der Inhalt) völ­lig dane­ben ist. Und für unsere Region gilt, obwohl es durch­aus seit 2016 struk­tur­ver­bes­sernde Maß­nah­men des Bis­tums im Bereich der Kir­chen­mu­sik gibt: Nihil sub sole novum.

Mati­née

Matinee in der Grabeskirche

Mati­née in der Grabeskirche

Ein Bild vom letz­ten Sams­tag, mit The­resa Icking, Vio­line und Sabine, Ley, Block­flöte. Foto ©Alex­an­dra Wiek

Zitat - Messiaen

„Als ein Wesen von Fleisch und Glut (sic!) wehre ich mich im Namen von Emo­tion und Emp­fin­dung gegen all das, was nichts ande­res als inter­es­sant und intel­li­gent ist. Ich habe einen Hor­ror vor intel­li­gen­ten Leu­ten, die inter­es­sante Sachen machen. Wenn ich ins Kon­zert gehe, dann will ich, daß mir die Trä­nen kom­men; wenn ich nicht weine, bedeu­tet das: Es war nicht gut.”

Ein Zitat von Oli­vier Mes­siaen, bezo­gen auf streng seri­elle und kon­struk­ti­vis­ti­sche Musik (Quelle).

Fin­ger weg.

Meine wirk­lich sehr pfif­fige 10-​jährige Kavier­schü­le­rin über­raschte mich heute mit einem Hin­weis auf ein Video-​Tutorial zu He’s a pirate aus dem Film „Fluch der Kari­bik”. Ich war beim Anschauen zunächst amü­siert, dann aber ent­setzt über so viel Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit. Daß da mit den Hoff­nun­gen Leicht­gläu­bi­ger gespielt wird, ist dabei noch das geringste Pro­blem. Wie jämmerlich.

Les bel­les Orgues de Viersen

Ein fal­scher ita­lie­ni­scher Plu­ral im Pro­gramm­heft, „Sonata per organi” für das Orgel­so­lo­stück eines mut­maß­lich fran­ko­pho­nen ita­lie­ni­schen Kom­po­nis­ten, ließ mich gedank­lich noch­mal auf die merk­wür­dige gram­ma­ti­ka­li­sche Pra­xis im fran­zö­si­schen Wort l’orgue sto­ßen: Sowohl die Sin­gu­lar– als auch die Plu­ral­form bezeich­nen, bau­art­lich durch­aus erklär­bar, eine (ein­zige) Orgel.

Dazu: mas­ku­lin im Sin­gu­lar, aber femi­nin im Plu­ral. Und, als sei das nicht ver­wir­rend genug: mas­ku­lin im Plu­ral, falls wirk­lich meh­rere Orgeln gemeint sein soll­ten. Paradox.

Carlo Hom­mel wies mich sei­ner­zeit dar­auf hin, daß l’orgue die­se gram­ma­ti­ka­li­sche Ano­ma­lie mit dem Wort l’amour teile, und die­ses durch­aus poe­ti­schen Detail läßt mir die beschrie­bene sprach­li­che Stol­per­falle eher char­mant als ver­wir­rend erscheinen.

Probe für die Matinée

Heute mor­gen Probe mit Sabine Ley und The­resa Icking für die Mati­née am kom­men­den Sams­tag. Ein sehr ange­neh­mes Tref­fen. Pur­cell, Bach, Mar­cello, Corelli und Beethoven.

Ich war sehr erstaunt, daß die Truhe in der untrans­po­nier­ten Ein­stel­lung mitt­ler­weile auf 447Hz gestie­gen ist. Das hätte ich in der Gra­bes­kir­che nicht gedacht, ich werde es noch rich­ten müssen.

Kam­mer­chor

Der ideale Chor hat 12 Mit­glie­der”, so soll Johann Sebas­tian Bach gesagt haben, „damit man - falls mal einer krank wird - noch dop­pel­chö­rig sin­gen kann.” Unser klei­ner fei­ner Kam­mer­chor beim heu­ti­gen Pfingst­mon­tags­got­tes­dienst hatte 12 Leute, und wir haben 8-​stimmig gesun­gen. Herz­li­chen Dank an Euch!

Par­al­le­len

Die Frank­fur­ter All­ge­meine kom­men­tiert das Pfeif­kon­zert gegen Helene Fischer beim End­spiel des DFB-​Pokals mit den Wor­ten: Das Pokal­fi­nale ist kein Super­bowl. Wobei die Fans, nota bene, offen­sicht­lich eigent­lich gar nichts gegen Helene Fischer haben.

Da drän­gen sich mir doch Par­al­le­len auf. In der Zeit hat neu­lich Chris­tina Rietz unter der Über­schrift „Hört auf mit der Party!“ durch­aus dis­kus­si­ons­wür­dig gegen Schnick­schnack am Altar plä­diert. Meint sie am Ende das glei­che wie die Fans?

Ich mag übri­gens den Klang von E-​Gitarren.

Glo­cken

Bin in mei­ner Hei­mat­stadt, und wenn­gleich es Fei­er­tag und Don­ners­tag ist, denke ich an Hanns Die­ter Hüsch: „Sams­tags die Glocken/​Wohl auch anderswo/​Aber am Niederrhein/​klin­gen sie/​meta­phy­sisch.“

Besuch auf der Orgelbühne

Zur 11:00-Uhr Messe hatte ich Besuch auf der Orgel­bühne: der 6-​jährige Peter Holt­schop­pen hat mir bei der Lie­d­an­zeige assis­tiert. Ich mag es, wenn Chor­mit­glie­der oder deren Kin­der mich auf der Orgel­bühne besu­chen. Das hat in der Remi­gius­kir­che eine gewisse Tradition.

Grafik aus L'Art du facteur d'orguesDabei ist die Orgel­bühne in St. Remi­gius recht eng. Der Platz auf der Grenze zwi­schen Turm– und Kir­chen­raum ist begrenzt, und das gab dem so begna­de­ten Orgel­bauer Gerald Woehl die Gele­gen­heit, die Orgel beim Neu­bau 1984 reich­lich exakt so anzu­le­gen, wie im Buch „L’Art du fac­teur d’orgues“ (1778) des François Dom Bédos de Cel­les skiz­ziert: auch wenn hin­ter dem Rück­po­si­tiv ein wenig mehr Raum ist, als auf dem Bild zu sehen, fin­det auf der Orgel­bühne nur noch maxi­mal eine Per­son auf der rech­ten Seite des Orga­nis­ten Platz. Zu die­sem Zweck befin­det sich dort ein ein­fa­cher, weg­klapp­ba­rer Stuhl aus Holz.

Die­ser Stuhl wird intern respekt­voll Ernst-​Klusen-Stuhl genannt - mein Vor­gän­ger hat ihn so getauft. Klu­sen, der in Vier­sen wohnte, hatte in sei­nen letz­ten Lebens­jah­ren dort geses­sen, wäh­rend mein Vor­gän­ger die Messe spielte.

Frei­lich … muß heute kein Besu­cher als Kal­kant fun­gie­ren, und ich sitze auch nicht mit Degen an der Orgel.

Flöte und Gitarre.

Heute stand im Rah­men der Kon­zert­reihe in St. Remi­gius Kam­mer­mu­sik auf dem Pro­gramm: Musik für Flöte (Ursula Dortans-​Bremm) und Gitarre (Jutta Hetges).

Die Musik Astor Pia­zol­las ist mir natür­lich nicht neu, war aber an die­sem Abend eine Offen­ba­rung für mich.

Ange­nehme Kon­takte am Rande des Kon­zerts: Flö­tis­tin und Blog­ge­rin Julia Bremm und Pau­kist und Per­kus­sio­nist Daniel Häker aus Wup­per­tal, der in Vier­sen der­zeit eine Austel­lung mit eige­nen Foto­gra­fien gestaltet.

Karl Kraus?

Die bes­ten Kom­po­si­tio­nen sind für mich jene, die ihr Geheim­nis auch nach umfäng­li­cher und sorg­fäl­tige Ana­lyse noch behal­ten. Die objek­tiv gut gemacht sind, denen man aber den­noch nicht auf die Schli­che kommt. Wenn ich unter Rät­sel eine Frage ver­stehe, in der zwar der Weg zur Lösung, nicht aber die Lösung selbst ent­hal­ten ist, dann kann ich unter guter Musik in iro­nie­freier Abwand­lung des bekann­ten Karl-​Kraus-​Zitats ein Stück ver­ste­hen, das aus einer Frage ein Rät­sel zu machen vermag.

Mein Rhein ist die Niers

Ein Text aus der Rhei­ni­schen Post spricht mir aus dem Her­zen: In der „Hymne“ Warum die Niers mein Rhein ist offen­bart Sebas­tian Dal­kow­ski sehr emo­tio­nal ( „… zur Begeis­te­rung nicht fähige Iro­ni­ker wer­den als dezen­ten Spott deu­ten, was ich genauso meine, wie es da steht …“ ), daß für ihn eher die Niers als der Rhein den Nie­der­rhein prägt. Ich erlebe es seit Kin­der­ta­gen genauso. Ein schö­ner Satz dar­aus: So flach ist es hier, daß man denkt, gleich müsse man wenigs­tens mit dem Meer belohnt wer­den, es kommt aber kein Meer.