Thorsten Konigorski

Ein Nach­ruf auf Ste­phan Gedden

Erschüt­tert haben die Grup­pen der Musica Sacra in Vier­sen mit Gre­go­rio Alle­gris „Mise­rere“ Abschied von ihrem Prä­ses Pas­tor Ste­phan Ged­den genom­men, der am Him­mel­fahrts­tag 2011 im Alter von nur 49 Jah­ren voll­kom­men uner­war­tet verstarb.

In einer von Spar­zwän­gen gepräg­ten Zeit, in der die Kir­chen­mu­sik allent­hal­ben wegen des vor­der­grün­dig feh­len­den Kosten/​Nutzen-​Bezugs unter Legi­ti­ma­ti­ons­druck gerät, in der sie häu­fig – ihren vol­len Wert miss­ach­tend – mit dem Hin­weis auf die Kon­zen­tra­tion auf das ver­meint­lich Wesent­li­che der Unter­fi­nan­zie­rung oder, schlim­mer noch, der Gleich­gül­tig­keit preis­ge­ge­ben wird, erle­ben wir der­zeit im gan­zen Bis­tum eine Phase des kir­chen­mu­si­ka­li­schen Nie­der­gangs. Diese Hal­tung jedoch war Ste­phan Ged­den fremd. Betriebs­wirt­schaft­lich den­kend, aber dabei das wirk­lich Wesent­li­che nie aus den Augen ver­lie­rend, erblickte er in der Musica sacra über das lit­ur­gi­sche Gesche­hen hin­aus weit mehr als einen bloß kul­tu­rel­len Wert.

Die Kir­chen­mu­sik fand daher in ihm einen ver­läss­li­chen Für­spre­cher und För­de­rer. Durch sei­nen mit bemer­kens­wer­ter Gelas­sen­heit, Kon­stanz und Gerad­li­nig­keit gewähr­ten Schutz, schuf er ihr Raum und Gele­gen­heit, sich auch unter den skiz­zier­ten Bedin­gun­gen in viel­fäl­ti­ger Weise zu entfalten.

In seine Zeit als Pfar­rer fällt die Voll­en­dung der gro­ßen Woehl­or­gel (1996) sowie die Errich­tung der Cho­r­or­gel (2002) der Remi­gius­kir­che. Eine Viel­zahl denk­wür­di­ger Auf­füh­run­gen wur­den durch seine För­de­rung mög­lich, exem­pla­risch für viele Groß­werke seien hier das Mozart-​Requiem, auf­ge­führt in der Lit­ur­gie, oder Bachs Mat­thä­us­pas­sion genannt.

Die Kan­to­ren und Orga­nis­ten der Remi­gius­ge­meinde ver­lie­ren in ihm einen groß­ar­ti­gen Dienst­herrn, der gedul­dig und wohl­wol­lend Kom­pe­tenz aner­kannte und wert­schätzte. Er nahm die ihm zukom­mende Füh­rungs­rolle jeder­zeit ent­schei­dungs­freu­dig und kon­flikt­be­reit wahr, ver­stand diese aber nie als Einbahnstrasse.

Die Sän­ge­rin­nen und Sän­ger trau­ern um einen Men­schen und Chris­ten, der mit ihnen und wie sie die ganze emo­tio­nale Fülle des Kir­chen­jah­res erspürte und erlebte. Unver­ges­sen ist seine wie­der­holt und zuletzt in die­sem Jahr bei der kar­frei­täg­li­chen Probe zur Oster­nachts­feier (zu der er nicht sel­ten auf eine Tasse Kaf­fee hin­zu­kam) geäu­ßerte Wert­schät­zung der Benedictus-​Antiphon an Ostern: „Ohne diese Anti­phon ist für mich kein Ostern.“ Sub­til, mini­ma­lis­tisch, so, wie Ste­phan Ged­den Lit­ur­gie fei­erte, ver­mit­telt sie das Ostergeschehen:

Et valde mane una sab­batorum veni­unt ad monu­men­tum, orto iam sole. Alleluia.

Wie die ers­ten Zeu­gen der Auf­er­ste­hung ste­hen heute wir am Grab und erwar­ten mit Ste­phan Ged­den den Auf­gang der Sonne. Er lebe in Christo!