Thorsten Konigorski

Gesun­gene Öku­mene in Viersen

1. Der Prolog:

Die Nach­richt im Früh­jahr 2010: Thors­ten Koni­gor­ski will die Mat­thä­us­pas­sion von J.S. Bach mit dem Kir­chen­chor von St. Remi­gius, der Kur­rende Vier­sen, dem Kin­der­chor an St. Ulrich in Dül­ken (Michael Decker) und mit unse­rer Ev. Kan­to­rei am Palm­sonn­tag 2011 in der Remi­gius­kir­che auf­füh­ren. Die Finan­zie­rung durch die katho­li­sche Gemeinde scheint gesichert.

2. Die Skepsis:

Wer­den wir das Pen­sum auf­neh­men und ein­üben kön­nen, wer­den wir die Monu­men­ta­li­tät und Sym­bo­lik die­ses Wer­kes begrei­fen und ausschöpfen?

Thors­ten Koni­gor­ski: „Eine Mat­thä­us­pas­sion macht man nur ein­mal!” Also ran!

3. Die Vorbereitungen:

12 Monate lang pro­ben die Chöre ein­zeln, spä­ter gemein­sam die schwie­ri­gen Gesangs­pas­sa­gen. In den Chor­fe­rien üben zusätz­lich einige von uns in klei­nen Grup­pen zu Hause die pro­ble­ma­ti­schen und unsi­che­ren Takte.

4. Die Verwirklichung:

Die ev. Kan­to­rei unter Daniel Plöhn über­nimmt in den bis zu 9-​stimmigen Chö­ren den Part des Cho­res II. Das sind vor allem in Noten gesetzte Zwi­schen­rufe von auf­ge­brach­ten, zwei­feln­den und trau­ern­den Men­schen der Passionsgeschichte.

Die Gesamt­lei­tung liegt in den Hän­den von Thors­ten Konigorski.

5. Die Entdeckungen:

Wäh­rend der Pro­ben wird uns das ganze Aus­maß des Wer­kes bewusst - bei­spiels­weise der schlichte Can­tus Fir­mus der Dül­ke­ner Kin­der­stim­men im Ein­gang­s­chor, der Staccato-​Klänge beim „Trop­fen der Zäh­ren” in einer Alt-​Arie, die tröst­li­chen Worte des zwei­ten Cho­res „So schla­fen unsere Sün­den ein” (Koni­gor­ski: „Der Kern der Pas­sion!”), das Klage-​Duett der Solis­tin­nen — schroff unter­bro­chen vom auf­ge­reg­ten Volk „Lasst ihn, bin­det nicht”, die alten Cho­ral­sätze als Sinn­bild für Gemeinde, jeder von ihnen ein Ruhe brin­gen­der, musi­ka­li­scher Edelstein.

So viel gäbe es auf­zu­zäh­len. Dazu die Wun­der der Rezi­ta­tive. Und nicht zuletzt Herr Koni­gor­ski, der uns mit sei­nem Enthu­si­as­mus, sei­ner wei­chen Strenge und sei­nen tief­gläu­bi­gen Text­aus­le­gun­gen immer wie­der anstachelt …

6. Das Konzert:

Das Orches­ter führt uns in andere Wel­ten. Der Evan­ge­list treibt uns mit sei­ner inten­si­ven Gestal­tung an. (Lei­der haben ihn wohl nicht alle Zuhö­rer so gut hören kön­nen wie wir.) Die Solis­ten sin­gen beseelt und enga­giert. Die Orgel­spie­ler Michael Decker und Daniel Plöhn set­zen zuver­läs­sige Akzente. „Wir set­zen uns mit Trä­nen nie­der”, der Schluß­chor, bei dem die Kehle eng wird. Nein, (noch) keine Trä­nen! Der auf­rüt­telnde Oboen-​Misston, der ver­söhn­li­che Schluss-​Akkord, die Sekunden-​Ruhe danach …

7. Und wir? Im Rückblick:

Wäh­rend der Gesamt-​Probentage wur­den wir im Remigius-​Haus regel­recht ver­wöhnt: Kaf­fee, selbst­ge­ba­cke­ner Kuchen und hand­ge­fer­tigte Sup­pen stärk­ten und sät­tig­ten uns. Musi­ka­li­sche Öku­mene zwi­schen Kan­to­ren, Sän­gern, zwi­schen Musi­kern und Solis­ten hat uns alle beflü­gelt und die­ses Meis­ter­werk des thürisch-​sächsichen Bach nahe gebracht und Jesu Pein, die unser aller Pein - auch in die­sen Tagen - ist, wie­der bewusst gemacht. Gibt es eine bes­sere Verkündigung?

Karin und Ste­phan Klaue für die ev. Kan­to­rei der Kreuzkirche