Thorsten Konigorski

Passionsmusik Membra Jesu Nostri in St. Remigius

Lie­bes­ly­rik

Von Thorsten Konigorski Gestern gab es die angekündigte Passionsmusik in St. Remigius. (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/26-03-2018/)

Tobias Köl­ling erin­nerte recht­zei­tig vor der Auf­füh­rung des Kan­ta­ten­zy­klus „Mem­bra Jesu Nos­tri“ am gest­ri­gen Sonn­tag an einen wich­ti­gen Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis des Werks. Bux­te­hude besingt die Kör­per­teile des Gekreu­zig­ten nach dem a capite ad cal­cem (svw.: „vom Schei­tel bis zur Sohle“) genann­ten, der mit­tel­al­ter­li­chen Vagan­ten­ly­rik und anti­ken Poe­sie ver­pflich­te­ten Prin­zip (aller­dings in Umkeh­rung der ver­ti­ka­len Raum­se­man­tik). Tobias schreibt:

An Palm­sonn­tag hat Thors­ten ein Kon­zert mit beson­de­rem Kon­zept auf dem Pro­gramm: sie­ben Kan­ta­ten beschrei­ben nach­ein­an­der Kör­per­par­tien des gekreu­zig­ten Jesus. Es beginnt mit den Füßen und endet beim Gesicht. Da steckt natür­lich viel Theo­lo­gie drin (man arbei­tet sich ja nicht nur auf­wärts son­dern auch nach innen, vom kör­per­li­chen letzt­lich ins seelische).

Vor allem aber ist es eine ver­blüf­fende Par­al­lele zu etwas ande­rem: Min­ne­sän­ger besa­ßen als Grund­ge­rüst für ihre Lie­der über eine uner­reich­bare Ange­be­tete genau das­selbe Kon­zept. Sie fin­gen bei den Füßen an und beschrie­ben in einem Lied den gesam­ten Kör­per der Ver­ehr­ten streng auf­wärts­stre­bend. Somit ist das Kon­zert am die­sem Sonn­tag auf gewisse Weise auch das: eine Liebeserklärung.