Thorsten Konigorski

Feu­er­zan­gen­bowle

Von Thorsten Konigorski Eine blutrote, dampfende Flüssigkeit. (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/26-12-2017/)

Der letzte Weih­nachts­got­tes­dienst ist gesun­gen, und wie jedes Jahr gibt es im Hause W. ein aro­ma­ti­sches und sinn­li­ches Stell­dich­ein: Eine blut­rote, damp­fende Flüs­sig­keit. Män­ner hocken um sie herum. Der eine, der Älteste, hat in eiser­ner Zange einen dicken, kris­tall­wei­ßen Klum­pen und hält ihn über das Gefäß. Der zweite hat eine ver­staubte Fla­sche in der Hand und gießt eine helle Flüs­sig­keit über den Klum­pen. Der Dritte setzt ihn in Brand. Eine gespens­ti­sche blaue Flamme zün­gelt hoch. Der weiße Klum­pen knis­tert und fängt an zu schmel­zen; dicke, zähe Trop­fen lösen sich und fal­len zischend in die rote Flut. Und ein lei­ser, betäu­ben­der Dunst zieht durch den Raum, steigt ins Gehirn.

(Hein­rich Spoerl: „Die Feuerzangenbowle“)