Thorsten Konigorski

Kreu­zes­tod eine Liebestat

Fast hiel­ten die Zuhö­rer in der lücken­los gefüll­ten Remi­gius­kir­che den Atem an, als die Sopra­nis­tin Sabine Schnei­der mit makel­lo­ser Stimm­schön­heit und unauf­ge­reg­ter, doch unter die Haut gehen­der Ein­dring­lich­keit ihre Arie „Aus Liebe will mein Hei­land ster­ben“ inter­pre­tierte. Hier wurde all‘ das zusam­men­ge­fasst, was die Chor­ge­mein­schaft – beste­hend aus der Kur­rende Vier­sen, der Evan­ge­li­schen Kreuz­kan­to­rei (Ein­stu­die­rung: Daniel Plöhn) sowie dem Kir­chen­chor Cäci­lia an St. Remi­gius, Vier­sen – gemein­sam mit dem Sin­fo­ni­schen Col­le­gium Essen, dem Kin­der­chor an St. Ulrich, Dül­ken, und den Solis­ten dem Publi­kum ver­mit­teln woll­ten: Der Kreu­zes­tod Jesu Christi ist eine unfass­bare Liebestat.

Kan­tor Thors­ten Koni­gor­ski bestand mit hell­wa­cher Über­sicht und prä­zi­ser, elas­ti­scher Zei­chen­ge­bung sein ehr­gei­zi­ges Pro­jekt, ein­mal die „Mat­thä­us­pas­sion“ von Johann Sebas­tian Bach auf­zu­füh­ren, bewun­derns­wert. Er wusste über drei Stun­den die Span­nung zu hal­ten, hätte jedoch bei den Cho­rä­len die Tempi ein wenig mehr dif­fe­ren­zie­ren können.

Into­na­ti­ons­rein und homogen

Die Chöre, die häu­fig in Chor eins und zwei geteilt oder bis zur Acht­stim­mig­keit gefor­dert sind, san­gen into­na­ti­ons­rein, homo­gen, mit sau­be­rer Dik­tion und präch­ti­ger Klan­gent­fal­tung – von ein paar zag­haf­ten Ein­sät­zen abge­se­hen. Ein beson­ders Lob gilt dem Kin­der­chor, der sich mit vol­lem Ein­satz erfolg­reich gegen die Über­macht von Instru­men­ta­lis­ten und erwach­se­nen Voka­lis­ten durch­setzte. Das in zwei Orches­ter geteilte Sin­fo­ni­sche Col­le­gium erwies sich als kon­ge­nia­ler Part­ner, vol­ler Ein­fühl­sam­keit und spiel­tech­ni­scher Güte. Her­vor­ra­gende Solis­ten wie bei­spiels­weise Clau­dia Hell­bach, Oboe oder Ste­fa­nie Keus als kom­pe­tente Con­ti­nuo Cel­lis­tin setz­ten zusätz­li­che Glanz­lich­ter. Neben Sabine Schnei­der über­zeugte unter den Solis­ten vor allem Vol­ker Mer­tens mit edlem, wand­lungs­fä­hi­gem Bass. Louise Rijs gefiel beson­ders in der ergrei­fen­den Alt-​Arie „Erbarme Dich“, zu der die Vio­li­nis­tin Bir­git Seibt Kost­ba­res bei­steu­erte. Mario Hoff war ein wür­de­vol­ler Jesus mit bal­sa­mi­schem Bass. Mark Hei­nes sang mit impo­nie­ren­der Prä­senz die Ten­ora­rien, dage­gen litt sein geschmack­voll gestal­te­ter Evan­ge­lis­ten­part ein wenig unter sei­ner weit vom Publi­kum ent­fern­ten Positionierung.

Nicht enden wol­len­der Bei­fall dankte allen Mit­wir­ken­den für eine stim­mungs­volle, das groß­ar­tige Werk adäquat wür­di­gende Aufführung.

Zur Auf­füh­rung der „Mat­thä­us­pas­sion” von J.S. Bach - Rhei­ni­sche Post vom 19. April 2011