Thorsten Konigorski

Groß­ar­ti­ges Oratorium

Eine ganz gefüllte Kir­che und nicht enden wol­len­der Applaus eines begeis­ter­ten Publi­kums waren der schönste Dank für alle Betei­lig­ten an einer denk­wür­di­gen Auf­füh­rung des Ora­to­ri­ums „Pau­lus” von Felix Mendelssohn-​Bartholdy. Der Kir­chen­chor „Cäci­lia” an St. Remi­gius, die Kan­to­rei der ev. Kreuz­kir­che und die Kur­rende Vier­sen bil­de­ten im Altar­raum von St. Remi­gius eine statt­li­che Chor­ge­mein­schaft, die sich – abge­se­hen von eini­gen zu zag­haf­ten Ein­sät­zen – als über­aus sat­tel­fest und homo­gen erwies. Den pracht­vol­len Mendelssohn’schen Chor­sät­zen ver­lieh sie span­nungs­volle, beein­dru­ckende Strahl­kraft, wusste aber auch reich dyna­misch zu differenzieren.

Eben­bür­ti­ger Part­ner war ihr das „Sin­fo­ni­sche Col­le­gium Essen,” ein Orches­ter, das in allen Grup­pie­run­gen Exzel­len­tes leis­tete, dar­über hin­aus sich auch in der Begleit­funk­tion von Chor und Solis­ten bes­tens bewährte. Bei Letz­te­ren hatte Anja Dewey den umfang­reichs­ten Part zu bewäl­ti­gen. Ihr into­na­ti­ons­si­che­rer Sopran wirkt wie ein silb­rig glän­zen­der Faden, ist aber für roman­ti­sche Musik zu ein­di­men­sio­nal. Das mag bei den Rezi­ta­ti­ven noch ange­hen, doch den ario­sen Tei­len (z. B. „Las­set uns sin­gen von der Gnade des Herrn”) hätte ein Mehr an Ton– und Gestal­tungs­in­ten­si­tät gut getan. Da agierte Vol­ker Mer­tens völ­lig anders: Sonore, makel­los geführte Bass­fülle ver­band er mit einer breit gefä­cher­ten Aus­drucks­skala. Mit gut fokus­sier­tem teno­ra­len Schmelz (für „Sei getreu bis in den Tod” aller­dings ein wenig zu schmal) gefiel Andreas Fischer. Ellen Dau­ben, Alt, gestal­tete aus­drucks­voll und stil­ge­recht ihre Rezi­ta­tive und Ariosi. Spi­ri­tus rec­tor war Thors­ten Koni­gor­ski. Er lei­tete sou­ve­rän und wusste den umfang­rei­chen Klang­kör­per prä­zise zusam­men­zu­hal­ten, er hatte das umfang­rei­che Werk hör­bar und sicht­bar ver­in­ner­licht. An der Orgel saß Daniel Plöhn von der evan­ge­li­schen Schwes­tern­ge­meinde (sic!). Er hatte nicht nur seine Kan­to­rei beige­steu­ert, er hatte auch kor­re­pe­tie­rend die Erar­bei­tung die­ses groß­ar­ti­gen Ora­to­ri­ums begleitet.

Kri­tik zu Men­dels­sohns „Pau­lus” — Rhei­ni­sche Post vom 13. Okto­ber 2004.