Thorsten Konigorski

Rari­tät von Joseph Haydn in der Grabeskirche

Es ist schon eine Reihe von Jah­ren her, dass Kan­tor Thors­ten Koni­gor­ski das sehr sel­ten auf­ge­führte und mit­hin weit­ge­hend unbe­kannte „Sta­bat mater” von Joseph Haydn in St. Remi­gius zu Gehör brachte. Darum war es umso erfreu­li­cher, dass sich die Chor­ge­mein­schaft St. Joseph/​St. Not­burga die­ser melo­di­en­rei­chen und viel­fäl­ti­gen Kom­po­si­tion annahm. Auch der Auf­füh­rungs­ort - die Gra­bes­kir­che St. Joseph, in der bei die­sem Kon­zert kein Stuhl frei blieb - war über­legt gewählt.

Haydn schrieb das „Sta­bat mater“, das die Schmer­zen Mari­ens unter dem Kreuz ihres Soh­nes zum Inhalt hat, im Jahre 1766, kurz nach­dem er die fast drei Jahr­zehnte wäh­rende Kapell­meis­ter­stelle beim Fürs­ten Niko­laus Ester­házy in Eisen­stadt über­nom­men hatte. Mit der gut und aus­ge­gli­chen besetz­ten Chor­ge­mein­schaft hatte Thors­ten Koni­gor­ski die Chöre des Wer­kes sorg­fäl­tig ein­stu­diert - ent­spre­chend klang­voll und ein­drück­lich war das Ergebnis.

In Erin­ne­rung blieb vor allem das „Virgo vir­gi­num prae­clara“ im Wech­sel mit dem Solis­ten­quar­tett. Das waren Anja Dewey mit kla­rem, höhen­si­che­rem Sopran, die beim Schluss­chor sogar noch mit Kolo­ra­tu­ren auf­war­ten konnte, und Esther Bor­ghorst, deren glut­vol­ler Mezzo auch durch aus­drucks­starke Gestal­tung fes­selte. Hier sei die wahr­lich unter die Haut gehende Arie „O quam tris­tis et aff­licta“, die von der gro­ßen Trauer Mari­ens erzählt, beson­ders her­vor­ge­ho­ben. Robert Hil­le­brand setzte sei­nen aus­ge­gli­che­nen Tenor vor­teil­haft ein, und Vol­ker Mer­tens punk­tete mit macht­vol­lem Bass.

Eine sichere Bank war für Thors­ten Koni­gor­ski, der genau und über­sicht­lich lei­tete, die „Came­rata instru­men­tale“, größ­ten­teils beste­hend aus Mit­glie­dern der Nie­der­rhei­ni­schen Sin­fo­ni­ker. Die Strei­cher gefie­len mit fül­li­gem, struk­tu­rier­tem Wohl­klang und der Acht­sam­keit auf das vokale Gesche­hen. Her­aus­ra­gend die bei­den Obo­is­ten, die auch ihr zwei­tes Instru­ment, das Eng­lisch­horn, bes­tens ein­zu­set­zen wuss­ten. Anhal­ten­der Applaus dankte allen Mit­wir­ken­den für eine besinn­li­che Stunde.

Kri­tik der Rhei­ni­schen Post zur Auf­füh­rung des „Sta­bat mater“ von Joseph Haydn. Erschie­nen am 5. Novem­ber 2013