Thorsten Konigorski

Corona lunga

CD-Aufnahme

Ema­nu­ele, Chris­tiane, Thors­ten, Mar­tina;
Sabine, Gio­vanni, Ann­chris­tin und Paolo

In den ver­gan­ge­nen Näch­ten hat mein sar­di­scher Kol­lege Gio­vanni Soli­nas alle sechs Orgel­so­na­ten von Felix Mendelssohn-​Bartholdy auf der Haupt­or­gel der Remi­gius­kir­che ein­ge­spielt. Ein Kraft­akt, der nur mit vie­len Hel­fern mög­lich war (für man­che Teile brauch­ten wir zwei Regis­tran­ten, an jeder Seite des Spiel­ti­sches einen). Die Auf­nah­men konn­ten nur in der Nacht statt­fin­den - zu groß ist der Lärm­pe­gel rund um die Kir­che tags­über -, und wir benö­tig­ten neben Erfri­schungs­ge­trän­ken meh­rere Kan­nen Kaf­fee als unvor­her­ge­se­hene Hilfs­mit­tel für alle. Das extrem heiße Wet­ter der ver­gan­ge­nen Zeit hat uns zudem man­che plötz­li­che Ver­stim­mung der in der Remi­giusor­gel zahl­reich ver­tre­te­nen Zun­gen­stim­men beschert, so daß unsere Stimm­ei­sen nie lange lie­gen­blie­ben. Eine den kon­zen­triert und ziel­ge­rich­tet arbei­ten­den Gio­vanni sicher­lich stö­rende, aber nie aus dem Kon­zept brin­gende Unterbrechung.

Ein­dring­li­cher als andere wäh­rend der CD-​Aufnahme gemach­ten Pho­tos gibt die­ses Bild (© S. Ley) die spe­zi­fi­sche Atmo­sphäre wie­der: es ent­stand um drei Uhr nachts wäh­rend einer Bespre­chungs­pause, ange­spannte Ruhe und fokus­sier­tes Licht, dazu ein äußerst gelas­se­ner Tech­ni­ker, Paolo Pas­to­rino, so ruhig, daß ihn nicht mal die gro­tesk lange Belich­tungs­zeit, die zur Erstel­lung die­ses Bil­des in der dunk­len Kir­che nötig war, ver­wa­ckelt erschei­nen läßt.

Die Stun­den tags­über wur­den außer zum Kampf gegen Müdig­keit und Schlaf­man­gel dazu genutzt, die nachts erstell­ten Auf­nah­me­teile kri­tisch durch­zu­hö­ren und auf alle mög­li­chen Feh­ler hin zu kontrollieren.

Neben hof­fent­lich gutem Ton­ma­te­rial bleibt die schöné Erin­ne­rung an eine inten­sive und deutsch-​englisch-​italienisch-​polyglotte Zeit, nicht ohne Miß­ver­ständ­nisse („Wie heißt der Ton?“ - „D, wie ‚Dora’“- „Aha, do!“), aber vol­ler beglü­cken­der kul­tu­rel­ler Begegnung.

Im nächs­ten Jahr wird Gio­vanni Soli­nas in einem Orgel­kon­zert seine CD vor­stel­len; ich werde es an die­ser Stelle recht­zei­tig ankündigen.