Thorsten Konigorski

Begriffs­stut­zen

Von Thorsten Konigorski Was um Himmels willen meint die Autorin mit dem Satz „Gott ist nicht cool“? (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/08-04-2019/)

Amü­siert von Han­nah Schmidts Bei­trag für das VAN-​Magazin (zum Teil äußerst zutref­fend und ins­ge­samt lesens­wert, aber dis­kus­si­ons­wür­dig; ich kann die Ange­mes­sen­heit von Kir­chen­mu­sik nicht am Instru­ment und auch nicht am Stil fest­ma­chen) - stol­pere ich bei der wohl auch meist­zi­tier­ten Stelle: „Gott ist nicht cool (was hätte er auch davon?) und die Kir­che wird es wohl auch nicht mehr wer­den. Wer bei­des mag, ist heute ein Nerd, und das ist okay. Gott ist auch ohne Orgel und ohne Kir­che Gott. Und Orgel ist auch ohne Gott und Kir­che groß­ar­tig. Nur die Kir­che, denke ich, die braucht irgend­wie bei­des“.

Was um Him­mels wil­len meint die Auto­rin mit dem Satz „Gott ist nicht cool“? Den ers­ten tri­via­len und ver­mut­lich zutref­fen­den Deu­tungs­im­puls bewusst igno­rie­rend, gerate ich ins Grü­beln. Unsub­stan­zi­iert leicht­fer­tige Aus­sa­gen über Gott ber­gen immer die Gefahr der Ver­ein­nah­mung (hier bei­spiel­haft „Deus lo vult“ anzu­füh­ren wäre eine allzu große Kanone für die­sen Spatz), und eine sin­gu­läre apo­pha­ti­sche Aus­sage ist ziem­lich nichts­sa­gend. Nega­tive Theo­lo­gie ist eben sehr viel mehr, als bloß zu for­mu­lie­ren, was Gott nicht ist.

Und „cool“? Aus­ge­rech­net „cool“ - im Wort­sinn? Befrem­det von der Vor­stel­lung eines unbewegt-​teilnahmslosen, atarak­ti­schen Got­tes lese ich nach und muss seuf­zend erken­nen, dass zumin­dest die Kir­chen­vä­ter (Kle­mens von Alex­an­drien, Orig­e­nes, Atha­na­sius) vol­ler Ver­wer­fun­gen und Kom­ple­xi­tät dies­be­züg­lich im Grunde doch von einer Apatheia Got­tes aus­ge­hen: Gott scheint cool zu sein, erschre­ckend und mei­nen Wider­spruch her­aus­for­dernd cool.