Thorsten Konigorski

Lebens­licht

Von Thorsten Konigorski Ich habe lange überlegt, was genau es ist, das mich an dem von Philippe Herreweghe für sein aktuelles Projekt verwendeten Film stört. (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/22-02-2020/)

Es bedarf nicht visu­el­ler Glatt­heit, auch nicht jener Hoch­glan­zäs­the­tik, die die Wer­be­in­dus­trie bis zum Über­druss nutzt, ganz im Gegen­teil. Es geht auch nicht um ein erwar­te­tes Happy End, selbst­ver­ständ­lich nicht, son­dern eher viel­leicht um Erlö­sung. Aber selbst, wenn die nicht sicht­bar wird: damit kann ich leben (in Bachs Musik ist sie ubi­qui­tär, oder, wie es auf der Web­seite des Col­le­gium Vocale Gent hierzu heißt: „There are no ans­wers. Only Bach’s music can alle­viate the pain“). Sicht­bar­ma­chung ist ein Unter­fan­gen, das mich anspricht, und kul­tu­relle Ver­heu­ti­gung sowieso. Bei­des gleich­zei­tig im Kon­text von Alter Musik kann nicht ohne Stil­brü­che gehen, also auch inso­fern kein Problem.

Ich habe daher lange über­legt, was genau es ist, das mich an dem von Phil­ippe Herre­weghe für sein aktu­el­les Pro­jekt ver­wand­ten Film „Lebens­licht - eine Fami­li­en­ge­schichte in Zei­ten der Ver­zweif­lung“ von Clara Pons stört. Licht­füh­rung und Bild­spra­che zur heu­ti­gen Unbe­haust­heit und Tris­tesse jeden­falls sind es nicht. Nein, es ist das Scha­blo­nen­hafte und das Abge­nutzte der Set­tings darin. Auch wenn es schwer sein dürfte, einen Film zu fin­den, der der (vom Col­le­gium Vocale Gent groß­ar­tig inter­pre­tier­ten) Musik Bachs gegen­über kein künst­le­ri­sches Gefälle auf­wiese: es sind die­ser Musik nun wirk­lich unwür­dige Ste­reo­type, wenn zum x-​ten Male ein Prot­ago­nist sin­nie­rend allein durch den Wald schrei­tet. Nach­denk­li­ches Star­ren ins Leere. Regen, Nacht, Tank­stelle. In die Höhe stei­gende Vögel, ein­sa­mer See. Das ist Per­pe­tu­ie­rung ver­brauch­ter Bild­kli­schees. Eine ver­passte Chance, schade.