Thorsten Konigorski

Vom sin­gen­den Gottesvolk

Von Thorsten Konigorski Annika Schmitz in einem Beitrag für y-nachten.de (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/28-10-2019/)

Unter dem Titel „Von Pale­strina bis Pärt oder auch: Vom sin­gen­den Got­tes­volk“ schreibt Annika Schmitz in einem Essay für das Theologie-​Blog y​-nach​ten​.de viel Wah­res weni­ger über die Außen­wir­kung von Kir­chen­chö­ren, als über deren Bin­nen­ver­hält­nis. Die­ses kann aus mei­ner Erfah­rung oft ent­rü­ckende Momente ent­hal­ten, und es ist heil­sam, mal in diese The­ma­tik ein­zu­drin­gen. Jeder, der die im Text beschrie­bene Abhän­gig­kei­ten zu Ende denkt (die Sän­ger sind vom Diri­gen­ten ebenso abhän­gig wie die­ser von jenen) und sich vor­stellt, was ein sol­ches Tun (wenn es erfolg­reich ist) psy­cho­lo­gisch bedeu­tet, mag ermes­sen, wie tief das Ver­hält­nis der Chor­mit­glie­der zu– und unter­ein­an­der sein kann.

Kir­chen­chöre kom­men ihrem Ver­kün­di­gungs­auf­trag ja nicht ledig­lich im Rah­men der Lit­ur­gie nach, son­dern sie gestal­ten aktiv das Leben ihrer Sän­ge­rIn­nen.“ Und das über Jahre hin­weg, oft wäh­rend eines gan­zen Lebens. Mich rührt die Erkennt­nis, daß das Leben „mei­ner“ Sän­ge­rIn­nen pas­sierte, wäh­rend ich mit ihnen das Deut­sche Requiem, Bachs Pas­sio­nen oder das Weih­nachts­ora­to­rium, Kar­frei­tage, Oster­nächte und Christ­met­ten ein­stu­dierte, sie haben sich ver­liebt, gehei­ra­tet, Kin­der bekom­men oder aber auch liebe Men­schen ver­lo­ren, und daß diese Auf­füh­run­gen zugleich selbst Höhe– oder Tief­punkte in ihrem Leben dar­stell­ten. Chor­sin­gen gene­riert mit­hin so etwas wie einen Lebens­sound­track, eng ver­wo­ben mit Ein­zel­schick­sa­len, es prägt die Zeit über Jah­res– und Lebenszyklen.

Aber das ist nur ein Aspekt des sehr lesens­wer­ten Bei­trags.