Thorsten Konigorski

Seifert-Orgel in Seckenheim

Orgeln

Von Thorsten Konigorski Zwei aus meiner Sicht sehr überzeugende Orgelneubauten der letzten Jahre in der Rhein-Neckar-Region (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/25-10-2019/)

Zwei aus mei­ner Sicht sehr über­zeu­gende Orgel­neu­bau­ten der letz­ten Jahre in der Rhein-​Neckar-​Region: die Sei­fert-Orgel in St. Aegi­dius Secken­heim (Mann­heim), erbaut 2017 mit 32 Regis­tern auf 2 Manua­len und Pedal zum einen, die neue Orgel der „Klei­nen Kir­che“ in Karls­ruhe, erbaut 2019 von Georg Len­ter mit 23 Regis­tern, eben­falls auf zwei Manua­len mit Pedal, zum anderen.

Die Secken­hei­mer Orgel hul­digt süd­deut­schen Vor­stel­lun­gen aus dem spä­ten 18. Jahr­hun­dert. Neben den von mir ohne­hin geschätz­ten Stan­dards wie Hän­ge­trak­tu­ren und auf Länge geschnit­tene Pfei­fen wird dies am deut­lichs­ten in Dis­po­si­tion und Into­na­tion, die zum Teil sehr extreme und reiz­volle Ein­schwing­ge­räu­sche zulässt, oder, wie der Orgel­bauer ver­merkt: er ver­zichte bei den Strei­cher­stim­men auf Anspra­che­hil­fen „um eine natür­li­che, dabei aber in unter­schied­li­chen Gra­den fra­gile Tonent­wick­lung ermög­li­chen zu kön­nen,“ er habe eine äußerst spar­same Kern­be­hand­lung prak­ti­ziert, „um eine breite Ober­tonent­wick­lung zu ermög­li­chen, die eine gesunde Geräusch­haf­tig­keit der Pfeife vor­aus­setzt“. Die Auf­zugs­fe­dern für die Keil­bälge soll­ten per Licht­schranke gesteu­ert wer­den, und ich frage mich (wie auch in Bezug auf die Register-​Doppeltraktur), warum bei solch einer ori­gi­nel­len und hand­werk­lich hoch­ste­hen­den Orgel über­haupt ästhetisch-​bruchhaft eine nicht­me­cha­ni­sche Lösung ins Auge gefasst wurde. Bei mei­nem Besuch im Sep­tem­ber 2019 waren die Licht­schran­ken auch bereits wie­der abge­baut wor­den - sie haben offen­sicht­lich nicht funktioniert.

Die Orgel der „Klei­nen Kir­che“ in Mann­heim ist auf ihre Art und Weise ähn­lich extrem: hier war die orgel­bau­li­che Klang­lich­keit der Mitte des 19. Jahr­hun­derts Vor­bild (Dis­po­si­tion). Sehr nach­voll­zieh­bar und gut gelöst: eine mecha­ni­sche Kegel­lade als Spiel­trak­tur, die sich sehr ange­nehm spie­len lässt. Eine deli­kate Beson­der­heit ist die durch­schla­gende Phy­har­mo­nika in 16′- und 8′-Lage, mit­tels Fuß­schwel­ler dyna­misch abstuf­bar, sie füllt den Raum mit einer ganz eige­nen Cha­rak­te­ris­tik. Dis­kus­si­ons­wür­dig finde ich hier das Feh­len einer grö­ße­ren Flöte in der Dis­po­si­tion (bei phan­tas­tisch luxu­riö­ser Aus­stat­tung mit unter­schied­li­chen Strei­cher­stim­men), außer­dem wäre es sicher noch berei­chernd, die wei­tere Zunge, die Kla­ri­nette, auf­schla­gend durch­zu­füh­ren. Den­noch ins­ge­samt eine wirk­lich gelun­gene Orgel, die den Besuch lohnt.