Thorsten Konigorski

Res­i­li­enz

Von Thorsten Konigorski Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder nach Belieben streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert. (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/29-01-2021/)

Ich habe heute Mes­siaen gehört, viel Messiaen.

Es geht um einen Bibel-​Workshop-​Tag, und die feierlich-​mystische Aura sei­ner L’Ascension trifft per­fekt auf den lite­ra­ri­schen Ton sei­ner bib­li­schen Vor­lage. Diese sei - so schreibt Rudolf Schna­cken­burg im HThK - wie durch „eine wun­der­volle Orgel­mu­sik ergrif­fen“. Man trifft sich also.

Ange­sichts der Bedin­gun­gen der Kom­po­si­tion und der Urauf­füh­rung des Quar­tour pour la fin du temps aller­dings wird mir klar, wie unbe­dingt essen­ti­ell Kunst nicht nur für die Künst­ler ist: Die Urauf­füh­rung des kom­plet­ten Wer­kes fand im Lager in Gör­litz am 15. Januar 1941 vor ca. 400 hun­gern­den und frie­ren­den Kriegs­ge­fan­ge­nen statt.

Es mag schon alt sein, klar, weit bevor das Wort „Res­i­li­enz“ so modern wurde, aber fol­gen­des Zitat von Richard von Weiz­sä­cker hat nichts von sei­ner Gül­tig­keit ver­lo­ren, es erscheint mir aktu­el­ler denn je:

Es ist gro­tesk, dass wir Aus­ga­ben im kul­tu­rel­len Bereich ‚Sub­ven­tio­nen’ nen­nen, wäh­rend kein Mensch auf die Idee käme, die Aus­ga­ben für ein Bahn­hofs­ge­bäude oder einen Spiel­platz als Sub­ven­tio­nen zu bezeich­nen. Der Aus­druck lenkt uns in eine fal­sche Richtung.

Denn Kul­tur ist kein Luxus, den wir uns leis­ten oder nach Belie­ben strei­chen kön­nen, son­dern der geis­tige Boden, der unsere innere Über­le­bens­fä­hig­keit sichert.“

(Hier zitiert aus der Welt, das Zitat fin­det sich aber sehr häufig.)