Thorsten Konigorski

Beein­dru­ckend: Johan­nes­pas­sion in der Remigiuskirche

Der Kir­chen­chor Cäci­lia, die Kur­rende Vier­sen, das Sin­fo­ni­sche Col­le­gium Essen und Solis­ten begeis­ter­ten die Zuhö­rer am Palmsonntag.

Johann Sebas­tian Bachs immer wie­der mit­rei­ßende Johan­nes­pas­sion auf­zu­füh­ren, ist kein leich­tes Unter­fan­gen. Da ist inten­sive Pro­ben­ar­beit erfor­der­lich und eini­ges an orga­ni­sa­to­ri­schen Schwie­rig­kei­ten zu bewäl­ti­gen. Um so mehr dür­fen sich die Ver­ant­wort­li­chen freuen, dass am Palm­sonn­tag in der Kir­che St. Remi­gius eine beein­dru­ckende Auf­füh­rung gelang.

Die Zuhö­rer konn­ten sich davon über­zeu­gen, dass Kan­tor Thors­ten Koni­gor­ski eine gute Chor­ar­beit leis­tet. Der Kir­chen­chor Cäci­lia und die Kur­rende Vier­sen erwie­sen sich gemein­sam als leis­tungs­star­ker Ora­to­ri­en­chor. Fast beängs­ti­gend klan­gen die Chöre wie „Kreu­zige, kreu­zige“, in denen Bach einem wüten­den Mob musi­ka­li­schen Aus­druck ver­leiht. Vital ging es zur Sache, wenn der Rock des Gekreu­zig­ten ver­lost wer­den sollte („Las­set uns den nicht zerteilen“).

Dif­fe­ren­ziert gestal­tete Koni­gor­ski die Cho­räle. Einige nahm er frisch und zügig - nach dem Vor­bild eines nicht schlep­pen­den Gemein­de­ge­san­ges. Bei ande­ren betonte er das lyri­sche Ele­ment und ent­schied sich für lang­same Tempi und Ritar­d­andi. Bei eini­gen Chö­ren, etwa dem Schluss­cho­ral, wurde durch abwechs­lungs­rei­che Arti­ku­la­tion das dra­ma­ti­sche Ele­ment hervorgehoben.

Viel Dra­ma­tik steckte auch im Vor­trag des Tenors Mark Hei­nes, der sich als vor­züg­li­cher Evan­ge­list erwies. Er ver­fügt nicht nur über beacht­li­che Strahl­kraft und (Höhen-​) Sicher­heit als Sän­ger. Er trägt seine Bot­schaft als Rezi­ta­tor vor, der span­nend zu erzäh­len versteht.

Über sei­ner her­aus­ra­gen­den Leis­tung dür­fen die wei­te­ren Solis­ten nicht ver­ges­sen wer­den, die eben­falls mit guten Leis­tun­gen auf­war­te­ten. Die Freunde und Feinde von Jesus wie Petrus, Judas und Pila­tus waren bei Vol­ker Mer­tens bes­tens auf­ge­ho­ben. Fabio Lesu­isse als Christus-​Bass, Boris Pohl­mann als Arien-​Tenor und Mag­da­lena Kali­now­ska (Sopran) gefie­len eben­falls. Esther Bor­ghorst sang mit einem aus­drucks­vol­len Alt, hatte es aller­dings schwer gegen die zu laut spie­len­den Holzbläser.

Hier­von abge­se­hen darf aber fest­ge­hal­ten wer­den, dass das Orches­ter, das Sin­fo­ni­sche Col­le­gium Essen, mit sehr guten Musi­kern besetzt war. Pro­blem­los inte­grier­ten sich die bei­den ein­hei­mi­schen Instru­men­ta­lis­ten, Daniel Plöhn (Orgel) und Lutz Hei­wolt (Gambe). Thors­ten Koni­gor­ski hatte Bachs Meis­ter­werk nicht nur gewis­sen­haft ein­stu­diert. Er bewährte sich auch als umsich­ti­ger Gesamtleiter.

Herz­li­cher Bei­fall erkannte die Qua­li­tät der Auf­füh­rung und die große Leis­tung aller Betei­lig­ten an.

RP-​Kritik von Dr. Gert Holt­meyer (Orgi­nal)