Thorsten Konigorski

Ein­falls­rei­che Regis­trie­rung fes­selt die Zuhörer

Regen und Sturm ver­hie­ßen nichts Gutes in Bezug auf die Besu­cher­ak­zep­tanz anläss­lich des ange­kün­dig­ten Orgel­kon­zer­tes. Doch weit gefehlt - das Mit­tel­schiff der Remi­gius­kir­che war gut gefüllt. Das zeugt von der kon­ti­nu­ier­lich guten kir­chen­mu­si­ka­li­schen Arbeit Thors­ten Koni­gorskis, der bereits im 16. Jahr an St. Remi­gius wirkt.

Der Kan­tor begann seine Orgel­stunde mit der Par­tita über „Sei gegrü­ßet, Jesu gütig“ BWV 768 von Johann Sebas­tian Bach. Dem streng vier­stim­mig gesetz­ten Pas­si­ons­cho­ral fol­gen zehn teils kom­pli­zierte Varia­tio­nen, fei­er­lich beschlos­sen von einem fünf­stim­mi­gen Orgel­cho­ral, mit vol­lem Werk zu spie­len. Der Inter­pret ver­stand es, durch span­nungs­volle Wie­der­gabe und ein­falls­rei­che Regis­trie­rung (ledig­lich in den ers­ten Varia­tio­nen erschien der Klang zuwei­len etwas dumpf) seine Zuhö­rer zu fesseln.

Das ein­zige Orgel­werk sei­nes Kom­po­si­ti­ons­leh­rers Michael Reu­den­bach, gebo­ren 1956, stellte Koni­gor­ski dem etwas rat­lo­sen Audi­to­rium im Anschluss vor. „Stand­li­nien für Orgel“ besteht aus drei griff­tech­nisch iden­ti­schen Varia­tio­nen, die durch vari­ie­rende Regis­ter­wahl und die Wie­der­gabe in ver­schie­de­nen Ton­la­gen zu ganz unter­schied­li­cher klang­li­cher Wahr­neh­mung führen.

Höhe­punkt und bes­tens gelun­ge­ner Abschluss der Vor­trags­folge waren Pas­sa­ca­glia und Fuge c-​MolI BWV 582, ein Meis­ter­werk Bach’scher Kom­po­si­ti­ons­kunst. In des­sen umfang­rei­chem Schaf­fen erscheint nur ein ein­zi­ges Mal eine Pas­sa­ca­glia, sicher­lich beein­flusst von Pachel­bel und Bux­te­hude, in deren Oeu­vre diese musi­ka­li­sche Gat­tung häu­fi­ger anzu­tref­fen ist. Es han­delt sich um ein Varia­ti­ons­werk, das auf einem immer wie­der­keh­ren­den Thema im Bass basiert.

Unge­wöhn­lich ist, dass Bach daran eine Fuge anschließt, deren Thema - wenn auch ver­kürzt - dem der Pas­sa­ca­glia ent­spricht. Koni­gor­ski wusste dank dich­ter, über­legt arti­ku­lier­ter und tech­nisch bril­lan­ter Inter­pre­ta­tion das fas­zi­nie­rende Ton­ge­mälde plas­tisch und gut nach­voll­zieh­bar dem am Schluss aus­gie­big applau­die­ren­den Publi­kum darzustellen.

(Heide Oeh­men in der Rhei­ni­schen Post vom 31. März 2015)