Thorsten Konigorski

Orgel­pro­these

Von Thorsten Konigorski Orgel soll Welterbe der Menschheit werden. (https://www.thorsten-konigorski.de/journal/05-12-2017/)

Gerade ges­tern noch habe ich meh­rere Stun­den zusam­men mit Mar­tin Scholz in der Orgel der Remi­gius­kir­che mit der Sich­tung sich auf­lö­sen­der Blei­kon­dukte ver­bracht und lese heute, daß Orgel­bau und -musik bei der UNESCO Welt­erbe der Mensch­heit wer­den soll.

Ich bin da sehr gespal­ten. Ich ver­stehe, was György Ligeti meint, wenn er von der Orgel als „rie­si­ger Pro­these“ spricht („ihre Unbe­hol­fen­heit, Steif­heit und Eckig­keit“). Sie ist den aller­meis­ten Instru­men­ten unter­le­gen, weil sie wie kein ande­res die Klang­er­zeu­gung, das For­men des Klangs und das Rin­gen um ihn vom Spie­ler ent­fernt und mecha­ni­siert. In Orge­l­auf­nah­men bei­spiels­weise von Glenn Gould ist dies evi­dent. Ande­rer­seits ist jede Orgel ein auf den Stand-​und Klang­ort hin kon­zi­pier­tes Uni­kat, sie ist nicht allein klin­gen­des Instru­ment, son­dern auch optisch prä­sent, sie ist Skulp­tur und Archi­tek­tur - und min­des­tens in die­ser Hin­sicht wohl die Köni­gin der Instrumente.

An der Orgel der Remi­gius­kir­che ist beim Bau vom genia­len Gerald Woehl kon­se­quent alles das, was an der Orgel „Maschine“ ist, auf das Mini­mum redu­ziert wor­den. Bis heute erlebe ich bei Besu­chern Stau­nen dar­über (zumal diese Art des Orgel­bau­ens, eine Zeit­lang schu­le­ma­chend, der­zeit wie­der zu kip­pen scheint) — teils irri­tiert, meist bewun­dernd und bis­wei­len auch ableh­nend. Ich aber bin nach wie vor froh dar­über, da es mei­nen Vor­stel­lun­gen vom Instru­ment Orgel prä­zise ent­spricht. Wenn Orgel, dann so.