Thorsten Konigorski

Acce­le­r­ando

Schon haben wir den zwei­ten Advent. Je älter ich werde, desto deut­li­cher nehme ich wahr, in einem erschre­cken­den Acce­le­r­ando zu leben.

Woehl­or­gel

Sehr auf­ge­räumt, das neue Look & Feel der reno­vier­ten Remi­gius­kir­che. Die beton­ten goti­schen Bögen ver­mit­teln stär­ker als zuvor die Höhe des Rau­mes - die aus­ge­wo­ge­nen Pro­por­tio­nen des Gehäu­ses der Woehl-​Orgel kom­men da - so meine ich - bes­ser zur Gel­tung als zuvor.

Markt­mu­sik

Nicht weil es ein Feh­ler wäre, der dem lie­ben Kol­le­gen Knauer beim Schrei­ben des Pro­gramms zu mei­ner Markt­mu­sik in Erkelenz vom letz­ten Sams­tag unter­lau­fen ist, erwähne ich ihn, son­dern weil er so char­mant ist: Da steht näm­lich zum zwei­ten Satz der Bach­so­nate „Advent“, und ich frage mich trotz des „Ada­gio“ aus mei­ner Par­ti­tur, ob das eigent­lich so falsch ist.

Konrads-​Orgel

Heute konnte ich Gäste aus der Slo­wa­kei in St. Remi­gius begrü­ßen: Mein evan­ge­li­scher Kol­lege Mar­tin Melišík war zusam­men mit Ľubomír Mar­cina, einem wei­te­ren Mit­ar­bei­ter der Stre­disko evan­jeli­ckej dia­ko­nie Košeca und mir in der Kon­radska­pelle am Grenz­weg. Wir haben die Pels-&-van-Leuven-​Orgel dort besich­tigt, die die Pfarr­ge­meinde St. Remi­gius gerne ver­äu­ßern möchte.

Stel­len­wech­sel

Mitte nächs­ten Jah­res werde ich St. Remi­gius in Vier­sen ver­las­sen und eine Stelle als Refe­rent für Kir­chen­mu­sik im Bischöf­lich Müns­ter­schen Offi­zi­alat antre­ten. Mich reizt diese span­nende neue Aufgabe.

Ich hatte in den letz­ten 20 Jah­ren, in denen ich in Vier­sen tätig sein durfte, unzäh­lige berei­chernde, mich tief bewe­gende mensch­li­che und musi­ka­li­sche Begeg­nun­gen und bin den vie­len Mit­strei­tern und Gesprächs­part­nern zu gro­ßem Dank ver­pflich­tet. Der Weg­gang wird mir sehr schwerfallen.

Offenes Singen

Offe­nes Singen

Ein Bild vom offe­nen Sin­gen für jeder­mann in der lee­ren Remi­gius­kir­che am 23. Okto­ber 2018. © Foto von Felix Cur­vers

Hüs­ch­zi­tat

Frie­rend, mich wegen des recht unver­mit­tel­ten Wech­sels von Som­mer zu Win­ter um Herbst­ge­fühle betro­gen füh­lend, kommt mir, Ent­schei­dun­gen wägend, ein Wort Hanns Die­ter Hüschs in den Sinn:

Natür­lich ist mir vie­les heute fremd ¶ Die Städte sind nicht mehr so klein ¶ Die Men­schen sind nicht mehr so leise ¶ Im Kran­ken­bett der alte Rhein ¶ Ich sitze in Cafés herum ¶ und denke an Ver­gan­gen­hei­ten ¶ Ich zieh den Hut und grüße stumm ¶ Die Träu­mer und die Tod­ge­weih­ten.

Kon­rad­sor­gel

Ich war heute mit Patrick Kampf an der Pels & van Leuven-​Orgel in St. Kon­rad, um Klang­pro­ben für den Ver­kauf her­zu­stel­len. Ein tol­ler Klang, und die Tech­nik aus den 70er Jah­ren doku­men­tiert, wie weit damals der nie­der­län­di­sche Orgel­bau dem deut­schen in die­ser Hin­sicht über­le­gen war.

Sing­mög­lich­kei­ten

Heute habe ich in der Pfar­rei eine Reihe Mit­sin­ge­mög­lich­kei­ten ver­öf­fent­licht. Eine Ver­an­stal­tungs­reihe bis Februar 2019. Ange­spro­chen sind Inter­es­sierte aller Alters­grup­pen. Noten­kennt­nisse und Chor­er­fah­rung sind nicht zwin­gend erfor­der­lich. Wir freuen uns über jede und jeden, der Spaß am gemein­sa­men Sin­gen hat.

Exe­quien

Heute ist es meine trau­rige Pflicht, die Exe­quien für den lang­jäh­ri­gen Sän­ger unse­res Cho­res und der Cho­ral­schola Rudolf Förs­ter zu gestal­ten. Er war nicht nur mit sei­ner Sing­stimme son­dern auch sei­ner Quer­flöte der musica sacra an St. Remi­gius über Jahr­zehnte kom­pe­tent ver­bun­den. Einer, dem das Gra­duale Roma­num aus leben­di­ger Pra­xis voll­stän­dig ver­traut war. Wir ver­lie­ren in ihm einen ver­läss­li­chen Part­ner und sehr lie­bens­wer­ten Freund.

Lux per­pe­tua luceat ei!

Retour

Berei­chert kehre ich heute aus Dres­den zurück: bewe­gend war die Begeg­nung mit einem weiß­rus­si­schen Paar und einer Tsche­chin, die in der Gas­tro­no­mie unse­rer Unter­kunft ange­stellt sind. Sie gaben uns einen so erschüt­tern­den Ein­blick in die Rea­li­tät der­ar­ti­ger Anstel­lungs­ver­hält­nisse, dass es mich fast wun­dert, wie sie uns Gäs­ten gegen­über den­noch zuvor­kom­mend und sym­pa­thisch agie­ren kön­nen. Umso erleich­ter­ter war ich, dass wir ins Gespräch kamen, dass das Gespräch an Tiefe gewann und sie die Lau­nen unse­rer Gruppe offen­sicht­lich nicht nur ertru­gen, son­dern sie uns - und wir sie - wirk­lich wertschätzten.

Dres­den

Ich bin mit dem Frei­tag­schor auf dem Weg nach Dres­den, wo wir vier Tage ver­brin­gen wer­den. Schon mehr­fach war ich dort - eigent­lich eine tolle Stadt. Gru­se­lig daher zu sehen, was zuletzt dort pas­siert: Elb­flo­renz, quo vadis?

An der Kuhnorgel in der Propsteikirche Lübeck

Propstei­kir­che

An der Kuh­nor­gel in der Propstei­kir­che Lübeck. © Foto von M. Getz van Bentum

Chor­fahrt

Mit dem Schul­be­ginn hat mein Urlaub geen­det, der gest­rige Don­ners­tag war geprägt von den Ein­schu­lungs­got­tes­diens­ten unse­rer sechs Grund­schu­len. Mein Ein­druck aus dem letz­ten Jahr ver­stärkte sich noch: die Ein­schu­lung als Sta­tu­s­pas­sage wird in den Fami­lien immer auf­wän­di­ger gefeiert.

Heute bre­che ich mit dem Remi­giuschor zu einer drei­tä­gi­gen Reise nach Lübeck auf.

Kon­zer­tende

Sechs Sekun­den – zwi­schen Klang und Applaus, zwi­schen nicht mehr und noch nicht und zwi­schen immer noch und doch schon.

Video © C. Reiners

Metz­ler­or­gel

Heute bin ich zum Üben nach Hüls zu mei­nem Kol­le­gen Heinz-​Peter Kort­mann gefah­ren. Das Instru­ment (III/​49) der Cyriakus-​Kirche dort wurde 1999 von der schwei­ze­ri­schen Orgel­bau­firma Metz­ler in ein beste­hen­des his­to­ri­sches Orgel­ge­häuse ein­ge­baut. Zwar klei­ner als die Woehl­or­gel in Vier­sen, ist es eine der weni­gen Orgeln am Nie­der­rhein, die ich die­ser gegen­über als eben­bür­tig erlebe. Im Cha­rak­ter ver­gleichs­weise weni­ger offensiv-​dynamisch, eher klas­sisch ori­en­tiert, hand­werk­lich makel­los und voll apol­li­ni­scher Schön­heit überall.

Einer der­art gut into­nier­ten Orgel ver­zeihe ich gerne ein zwar schön anzu­se­hen­des (tolle Intar­sien), aber unprak­ti­sches his­to­ri­sie­ren­des UI mit unnö­tig wei­ten Griff­we­gen und ein für mich viel zu weit seit­lich ange­brach­ten Schwelltritt.

Pola­roid

Ein Pola­roid! Bei der Grill­fete vor­ges­tern hat Juliane ein Pola­roid von mir gemacht, das sie mir post­wen­dend über­reichte. Mich amü­siert diese Renais­sance des Ana­lo­gen in Zei­ten, in der nahezu jeder zwar hun­derte Pho­tos im Smart­phone in der Tasche hat, aber kaum jemand je einen Abzug in Hän­den hält.

Aller­dings musste ich dem natür­lich erra­ti­schen Ansin­nen wider­ste­hen, das recht klein dimen­sio­nierte Bild mit Dau­men und Zei­ge­fin­ger grö­ßer zu ziehen. ;-)

Som­mer

Waren die Kir­chen zu Beginn der offen­bar noch län­ger andau­ern­den Hit­ze­phase Orte, die den Besu­cher mit ange­nehme Kühle emp­fin­gen, ver­än­dert sich das Klima nun dort: Es wird sti­ckig und schwül, auf den Orgel­büh­nen ist es zum Teil uner­träg­lich, denn die Hitze staut sich in den Gewöl­ben. Und auch die Orgeln - gerade die mecha­nisch trak­tier­ten - äch­zen unter der Hitze.

Rigo­ris­mus

Get­wit­tert: Ich wie­der­hole mich ange­sichts des gras­sie­ren­den #Rigo­ris­mus: Gelobt sei das Leise, Suchende, Vor­sich­tige und Ver­mit­telnde. Auch das Nicht­per­fekte und Halb­fer­tige. Wer das als naiv denun­ziert, wird sich in den aller­meis­ten Fäl­len wohl selbst belü­gen. (Reak­tion auf einen Tweet von Andreas Pütt­mann)

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Photo © Tobias Kölling

Pfarr­fest

Ges­tern war Pfarr­fest in St. Remi­gius - mit einer Open-​Air-​Eröffnungsmesse auf dem Remi­gius­platz. Das war mir Anlass, eine Messe mal nur mit E-​Piano, Gitar­ren, Bass, Flöte und Cajón zu gestal­ten. Bes­ten Dank an die schon genann­ten Mit­strei­ter und mei­nen Bru­der Tho­mas.

So etwas macht mir gro­ßen Spaß, und es rührt an mei­nen Wur­zeln. Das Han­tie­ren mit Ver­stär­kern, Mikro­pho­nen, Moni­to­ren, Rück­kopp­lun­gen und Balance-​Schieflagen erin­nerte mich aller­dings wie­der daran, warum ich mich irgend­wann rein mecha­ni­schen, nicht-​elektronischen Instru­men­ten zuwandte. Ich bereue dies nicht.

Zu mei­nem gro­ßen Bedau­ern haben wir ges­tern auch Sub­si­diar Klaus Grafe ver­ab­schie­det, der Vier­sen im Juli ver­las­sen wird. Ein unglaub­lich lie­bens­wer­ter und beschei­de­ner Mensch, den ich sehr schätze und ebenso ver­mis­sen werde.